Thorsten Wilke

Der Autor wurde 1967 in Speyer geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er von 1989 bis 1995 an der Christian-Albrecht-Universität Kiel mit dem Abschluss als Diplom-Volkswirt. Anschließend Eintritt in die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld als persönlicher Referent des Hauptgeschäftsführers. 1996 wurde Thorsten Wilke Leiter der IHK-Zweigstelle Minden, von 1999 bis 2000 stv. Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld.

Standort Minden - eine gute Basis für innovationsorientierte Unternehmen

In Nordrhein-Westfalen ganz oben, so lautet das Motto des Kreises Minden-Lübbecke. Das Gleiche gilt auch für die Stadt Minden. Mit diesem Slogan ist natürlich nicht nur die geografische Lage gemeint, vielmehr zielt er ab auf die Attraktivität des Kreises bzw. der Stadt als Wirtschaftsstandort. In der Standortgunst steht Minden an der Weser für viele Unternehmen „ganz oben“. Von einer ehemaligen preußischen Garnisonsstadt hat sich Minden zu einem modernen Wirtschaftsstandort gewandelt und kann heute auf eine breit gefächerte Wirtschaftsstruktur blicken.

 




Die Zahl der Ausbildungsplätze in den Unternehmen hat sich in den letzten drei Jahren um 25 Prozent erhöht.

Bei Standortentscheidungen von Unternehmen spielt eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle, die in so genannte „harte“ und „weiche“ Standortfaktoren unterschieden werden. Hierbei gewinnen die „weichen“ Faktoren wie Kulturangebot, Naherholungsmöglichkeiten oder Schulangebot zunehmend an Bedeutung. Dennoch darf bei dieser Diskussion nicht vergessen werden, dass ebenso die „harten“ Faktoren wie Verkehrsanbindung und Gewerbeflächenangebot, wichtige Determinanten für die Standortwahl bilden. Als Knotenpunkt der Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasser weist Minden eine besondere Lagegunst auf. Die Stadt liegt an der A 2, der wichtigsten Ost-West-Verbindung, und hat zudem eine gute Anbindung an die A 30, über die Verkehre nach Holland abgewickelt werden. Gerade der Verkehrsweg Richtung Osten, der schon durch die deutsche Wiedervereinigung erheblich aufgewertet worden ist, wird zukünftig durch die geplante Osterweiterung der Europäischen Union weiter an Bedeutung gewinnen. In einem Wirtschaftskreislauf, in dem die Reaktionszeiten zunehmend geringer werden, weil der Kunde immer schneller bedient werden möchte, wird die just-in-time Belieferung immer wichtiger. Deswegen ist die Anbindung an das überregionale Straßennetz oft wichtigstes Standortkriterium. Unternehmen aus der Logistikbranche wissen diesen Standortvorteil Mindens zu schätzen und haben deshalb ihren Standort in der Stadt an der Weser.

Aber Minden hat mehr zu bieten. Mit dem Wasserstraßenkreuz, dem Schnittpunkt von Weser und Mittellandkanal, ist die Stadt auch hervorragend in das Wasserstraßennetz eingebunden. Da die bundesweiten Prognosen von einem starken Anstieg des LKW-Verkehrs ausgehen und das Straßennetz schon heute oft überlastet ist, kann die Wasseranbindung zukünftig einen größeren Stellenwert einnehmen. Und durch den Bau eines zweiten Wasserbeckens über die Weser ist ein Nadelöhr im Mittellandkanal erst kürzlich beseitigt worden. Ob Kohle, Erdgas, Altmetall oder Haushaltsgeräte, mit Binnenschiffen, die jeweils auf die zu befördernden Produkte abgestimmt werden, kann nahezu jedes Produkt auf dem Wasserweg transportiert werden. Und das besonders umweltschonend.

 



Als Standort des ehemaligen Bundesbahnzentralamtes, dem heutigen Forschungs- und Technologiezentrum der Deutschen Bahn AG, ist Minden Eisenbahn-Standort mit großer Tradition. So wurde 1997 das 150jährige Jubiläum der „Coelln-Mindener-Eisenbahn“ gefeiert. Heute ist Minden Haltepunkt für die IC-Züge. Und über Hannover im Osten und Bielefeld im Westen ist Minden auch an das ICE-Netz angeschlossen. Neben den guten verkehrsinfrastrukturellen Voraussetzungen bietet die Stadt Minden auch ein attraktives Umfeld. Eingebettet in den Kreis Minden-Lübbecke, auf Grund seiner über 20 unterschiedlichen Mühlen auch als „Mühlenkreis“ bekannt, profitiert Minden von der landschaftlichen Attraktivität der gesamten Region. Wassersport auf der Weser, Wandern im Weser- oder Wiehengebirge, Fahrrad-Touren durch eine intakte Landschaft oder „Zeitreisen“ ins alte Preußen - Minden ist auch aus touristischer und kultureller Perspektive attraktiv.

Diese Standortvorteile wissen viele Unternehmen zu schätzen. Von der ehemaligen preußischen Garnisonsstadt hat sich Minden zu einem modernen und innovativen Wirtschaftsstandort entwickelt, der auch über die Stadtgrenzen hinaus große Bedeutung hat. Dieses wird u. a. dadurch unterstrichen, dass die Stadt mit einem positiven Pendlersaldo von über 7.000 Personen auch für die umliegenden Kommunen ein erhebliches Arbeitsplatzpotenzial aufweist.

 


 

Minden hat derzeit rund 42.000 Arbeitsplätze, die zum großen Teil von der mittelständischen Wirtschaft bereit gestellt werden. Hierbei ist Minden nicht von einzelnen Branchen abhängig, sondern kann mit einem breiten Branchen-Mix aufwarten. Ob Chemie, Elektronik, Metallverarbeitung, Konsumgüter, Handel oder Dienstleistung, Minden kann eine breite Angebotspalette vorweisen.

Knapp ein Viertel aller Arbeitsplätze in Minden werden vom verarbeitenden Gewerbe bereitgestellt. 22 % der Arbeitsplätze befinden sich in den Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen und unterstreichen damit die Bedeutung Mindens als zentralen Sitz der Kreisverwaltung. Im Handel und im Bereich der Dienstleistungen finden jeweils gut 15 % der Menschen Arbeit.

In Minden wird die Wirtschaftsstruktur vom inhabergeführten, mittelständischen Unternehmen dominiert, das fest in der Region verankert ist. Die unternehmerischen Entscheidungen fallen somit überwiegend hier vor Ort und nicht in fernen Konzernzentralen. Großes ehrenamtliches und finanzielles Engagement der Unternehmen, z. B. im sportlichen oder kulturellen Bereich, ist Beleg für die starke Identifikation der Unternehmen mit Stadt und Region.

Aber Minden ist auch Standort von „global playern“, Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen weltweit erfolgreich sind und durch ihre Geschäftsverbindungen den Bekanntheitsgrad Mindens rund um den Erdball erhöhen. So ist Minden Hauptsitz des 1908 durch die Dresdener Hausfrau Melitta Bentz gegründeten Familienunternehmens Melitta, das heute weltweit als Synonym für Kaffee und Kaffeezubereitung steht. Oder die Firma WAGO, die durch die Erfindung der „Cage Clamp“, eines Federklemmsystems für Steckverbinder, weltweit einen neuen Industriestandard in der elektrischen Verbindungstechnik geschaffen hat.

 




Zum Branchen-Mix der Region gehören auch Unternehmen der Elektronik-Industrie.

Neben den weltweit bekannten Firmen gibt es in Minden auch viele Unternehmen, die zwar nicht täglich in der Fernsehwerbung auftauchen, jedoch in ihren Branchen zu den führenden Anbietern gehören. Dieses Umfeld trägt mit dazu bei, dass sich in Minden eine Vielzahl junger Betriebe gegründet hat. Zwischen 1988 und 1998 hat sich der Betriebsbestand um rund 1.000 Unternehmen erhöht. Diese Zahl zeigt, dass Minden auch für Neugründungen, die in ihren Standortentscheidungen oft noch nicht an vorhandene Strukturen gebunden sind, einen attraktiver Standort darstellt. Vielfach haben die Existenzgründerinnen und Existenzgründer im Vorfeld der Unternehmensgründung die IHK-Zweigstelle in Minden aufgesucht, um sich zu informieren.

 




Minden bietet Arbeitsplätze für 42.000 Menschen.

Schwerpunktmäßig finden Neugründungen im Dienstleistungsbereich statt. Hierbei ist besonders die IT-Branche, das heißt die Informations- und Telekommunikationsbranche, interessant. Aber auch für Unternehmen aus dem Umweltbereich oder der Lasertechnik ist Minden ein geeigneter Standort. Impulsgeber für innovative Ansätze und Verfahren im Baubereich ist die Fachhochschule Bielefeld mit der Abteilung Minden, dem Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen. Vielfach haben diese Innovationen auch positiven Einfluss auf den Umweltsektor und tragen somit zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Minden bei.

Neben dem produzierenden Gewerbe gehört zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort eine leistungsfähige Handelsstruktur. Auch wenn die zunehmende Filialisierung der Innenstädte vor Minden nicht Halt macht, weist die Stadt einen interessanten Einzelhandels-Mix auf, der nicht nur den Bedarf der über 85.000 Einwohner deckt, sondern darüber hinaus auch Anziehungspunkt für die Kunden aus den umliegenden Städten und Gemeinden ist.

Eine zukunftsfähige Wirtschaftsstruktur braucht innovative Unternehmen, und die benötigen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Um die hierfür notwendigen Strukturen im Bildungsbereich zu schaffen, engagiert sich Minden beim Projekt „Lebendige Schule in einer lebendigen Stadt“ der renommierten Bertelsmann-Stiftung. Den Schulen kommt neben dem Elternhaus die entscheidende Bedeutung zu, die Schülerinnen und Schüler auf das spätere Arbeitsleben vorzubereiten und die dafür notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln.

 




Gut ausgebaut sind die Verkehrswege auf der Schiene, der Straße und dem Wasser.

Nach Beendigung der Schule beginnt der Einstieg in das Berufsleben häufig im Rahmen des dualen Ausbildungssystems, der Kombination der Ausbildung in Unternehmen und Berufsschule. Als verlässlicher Partner im Rahmen dieses Systems präsentieren sich die Unternehmen hier in der Region: Die Unternehmen haben die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in den letzen drei Jahren um rund 25 % erhöht. Mit dieser Kraftanstrengung kann - trotz der enorm stark angestiegenen Zahl an Schulabgängern - allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Schulabgängern und Schulabgängerinnen ein Ausbildungsplatz angeboten werden.

Minden hat als Standort viel zu bieten, von A wie Ausbildungsmöglichkeiten bis Z wie Zusammengehörigkeitsgefühl. Getreu dem Motto „Wer nicht mehr besser werden will, hat aufgehört, gut zu sein“ wird sich die Industrie- und Handelskammer auch zukünftig gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Verwaltung für eine weitere Verbesserung der Standortbedingungen hier vor Ort einsetzen. Damit Minden auch in Zukunft „ganz oben“ bleibt.

 

 

 


Unternehmensbeiträge:

Agentur für Arbeit Halle – der erste Dienstleister am Arbeitsmarkt
Der professionelle Partner für Unternehmen und Arbeitssuchende

Autorenbeiträge:

metaWERK Chemnitz – Standort für Motoren der Zukunft
Mehr als die Summe seiner Teile ­– Die Zukunft im alten Revier
Kompetente Personaldienstleister aus Profession ­– Stephani & Litzel
Netzwerk und Dienstleistung im Sinne der Investoren