Reinhard Wolfgramm

Der Autor wurde 1949 in Greifswald geboren. Nach dem Abitur und Studium des Bauingenieurwesens an der TU Dresden mit dem Abschluss als Dipl.-Ing. (1974) arbeitete er bis 1991 in unterschiedlichen Planungsbüros im Bereich Tragwerksplanung und Projektsteuerung. Ab 1991 war er zunächst Niederlassungsleiter und ist seit der Verselbständigung 1994 Geschäftsführer der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH.

City-Kernbereich als vitaler Standort im städtebaulichen Ensembles der alten Hansestadt

Die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH (RGS) ist seit 1991 treuhänderischer Sanierungs- und Entwicklungsträger der Hansestadt Rostock. Waren es zunächst 16 Mitarbeiter, sind nunmehr 36 Mitarbeiter und drei Auszubildende für vielfältige Aufgaben insbesondere in der Hansestadt Rostock tätig.

RGS als Sanierungsträger

Die Voraussetzung für viele innerstädtische Sanierungs- und Neubauvorhaben ist die Vorbereitung und Durchführung von Grundstücksan- und -verkäufen im Rahmen der Bodenordnung. Auch die Auslobung von Wettbewerben, wie zum Beispiel für die Freiflächengestaltung des Neuen Marktes in Rostock, gehören zu den Aufgaben der RGS.

Die Umgestaltung und der Ausbau von Straßen, vom Planfeststellungsverfahren bis hin zur Bauleitung, ist neben der Modernisierung und Instandhaltung von Gebäuden und Denkmälern vorrangiges Betätigungsfeld.

Für die Durchführung aller genannten Maßnahmen beantragt und verwaltet die RGS Städtebauförderungsmittel des Bundes, des Landes und der Gemeinde.

Im Rahmen ihrer Sanierungsträgertätigkeit für die Hansestadt Rostock ist die RGS beauftragt, den sehr komplexen und vielschichtigen Sanierungsprozess innerhalb des förmlich festgelegten Sanierungsgebietes ,,Stadtzentrum" der Hansestadt

Rostock mit seinem unmittelbaren Umfeld zu organisieren und durchzuführen. Schwerpunktbereiche sind dabei der City-Kernbereich sowie die noch vorhandenen Altstadtstrukturen.

Im Rahmen dieser Aufgabe überarbeitete der Planungsbereich der RGS 1998 gemeinsam mit den Fachämtern und Fachgremien der Hansestadt Rostock den 1994 erstmals beschlossenen Städtebaulichen Rahmenplan zum Sanierungsgebiet ,,Stadtzentrum Rostock", um auch weiterhin eine fundierte Basis für die in den kommenden Jahren zu lösenden Aufgaben zu erhalten.




Sanierte Stadtmauer mit Lagebuschturm





Anlass der Überarbeitung

Nachdem im November 1991 durch die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock der Kernbereich der Rostocker Innenstadt per Beschluss zum Sanierungsgebiet erklärt worden war, erfolgte bis 1993 die Erarbeitung der städtebaulichen Rahmenplanung für das Sanierungsgebiet ,,Stadtzentrum Rostock".

In dieser Dokumentation wurden die städtebaulichen und funktionellen Entwicklungsziele für die historische Altstadt und ihre Übergangszonen zu den Vorstädten Kröpeliner-Tor-Vorstadt und Steintor-Vorstadt formuliert und dargestellt.

Wesentliche Teile des Sanierungsgebietes konnten 1993 in diesem Plandokument nicht detailliert dargestellt werden, sondern wurden zunächst durch eine Schraffur für erforderlichen Handlungsbedarf dargestellt, da erst weitere konkretisierende Planungen durchzuführen waren.

Außerdem ist inzwischen ein vierjähriger intensiver Arbeitsprozess mit der Rahmenplandokumentation im Sanierungsgebiet mit vielen neuen Erkenntnissen und konkreten Ergebnissen absolviert. Daraus ergab sich nun die Notwendigkeit der Fortschreibung des Plandokumentes.

Erfahrungen aus vier Jahren Rahmenplanung

Aufbauend auf der Grundlage des Rahmenplanes konnten Bebauungsplan-Bereiche ausgewiesen, eine Vielzahl von vertiefenden Quartierplanungen erstellt und abgestimmt werden, und es gab mehrere durch die RGS organisierte Wettbewerbe, die z. B. zur Gestaltfindung für den Alten Markt, die Kröpeliner Straße und die Lange Straße beitrugen (Foto 1).




Augustenstraße 34.


Durch die Konzentration der Sanierungstätigkeit auf den City-Kernbereich um die Kröpeliner Straße und die Lange Straße konnte der Negativentwicklung der ersten Nachwendejahre gegengesteuert und ein deutlicher Aufwärtstrend in diesen Bereichen eingeleitet werden. Bis 1997 flossen dafür allein ca. 28,7 Mio. DM in den Straßenbau des Sanierungsgebietes.

 

Ein wesentlicher Schwerpunkt im Sanierungsprozess, untersetzt durch die im Rahmenplan formulierte ganzheitliche Entwicklung der Rostocker Altstadt, lag bei den Einzelhaussanierungen. So konnten von 1991 bis 1998 186 Häuser oder Objekte (z. B. Stadtmauer) von zum Teil hohem Denkmalwert bei der Modernisierung und Instandsetzung mit Städtebaufördermitteln unterstützt werden (Foto 2).


In einem intensiven Arbeitsprozess mit den zuständigen Fachämtern der Stadt wurde durch die RGS die Rahmenplanung zum Sanierungsgebiet ,,Stadtzentrum Rostock" fortgeschrieben, mit wichtigen Trägern öffentliche Belange abgestimmt sowie in mehreren öffentlichen Veranstaltungen den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Zusätzlich lag die Dokumentation vier Wochen öffentlich aus.

Analyse

Wesentliche Grundlage für die Fortschreibung des städtebaulichen Rahmenplans zum Sanierungsgebiet ,,Stadtzentrum Rostock" war zunächst eine umfangreiche Analyse der Entwicklung. Durch Vor-Ort-Analysen erfolgte eine aktuelle Erfassung der verschiedenen Nutzungen, vom Baualter und Bauzustand der Gebäude. Einen neuen Schwerpunkt bildete dabei die Erfassung der Einzelhandelssituation.

Weitere Daten wurden zur Bevölkerungsentwicklung erfasst, die bis 1997 trotz Stabilität des Wohnungsbauanteils noch rückläufig war, aber seit 1997 die Talsohle durchschritten hat und sich zunehmend stabilisiert. Die Analyse der Verkehrssituation erfolgte abgestimmt mit der laufenden Fortschreibung zum Generalverkehrsplan.




Eselföterstraße 26.







Strategie

 

Bevor der Planungsteil der Rahmenplandokumentation überarbeitet werden konnte, bedurfte es zunächst Überlegungen zu Sanierungsstrategien in Übereinstimmung mit stadtplanerischen und stadtstrukturellen Zielstellungen. Die im Sanierungsgebiet liegende historische Altstadt der Hansestadt Rostock mit ihren Übergangsbereichen in die Vorstädte des 19. Jahrhunderts kann nicht einfach schematisch nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden.

Dazu waren einerseits die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und die Veränderungen in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts zu stark. Aber auch die Erfordernisse heutigen städtischen Lebens sind elementar anders als noch vor 50 Jahren. Vor allem ist die historische Altstadt heute das Zentrum, der City-Kernbereich, einer Stadt von etwa 210.000 Einwohnern.

Das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses kann nur eine neue Qualität des City-Kernbereichs der Großstadt Rostock als Oberzentrum für etwa 500.000 Menschen mit dem Stolz und dem qualitativen Anspruch einer kontinuierlichen fast 800-jährigen Geschichte sein.




Gestaltungsplan.






Planung

 

Das Herzstück der Rahmenplanung ist der Gestaltungsplan, weil er ein klares Bild der Sanierungsziele zeichnet. Aus ihnen kann auch das wesentliche Ziel zur Entwicklung der Stadtgestalt abgeleitet werden, welches in der Wiedergewinnung eines geschlossenen städtebaulichen Ensembles im Altstadtbereich der alten Hansestadt Rostock im gestalterischen Zusammenhang mit seinen Vorstadtbereichen in der Kontinuität der bisherigen Entwicklungsgeschichte durch Erhalt und Weiterentwicklung im Rahmen festgeschriebener Ziele besteht (Gestaltungsplan).

Das Sanierungsziel zur Nutzung im Sanierungsgebiet besteht in der Stabilisierung und Entwicklung der Innenstadt mit ihrem City-Kernbereich als vitaler Standort von Handel, Dienstleistungen und Handwerk, öffentlicher Verwaltung und Büronutzungen, Bildungseinrichtungen, von Kultur, Freizeiteinrichtungen, Tourismus, Gastronomie und des Wohnens in belebender Nutzungsmischung.

Im Interesse einer optimalen wirtschaftlichen Entwicklung im Sanierungsgebiet als wesentliche Voraussetzung für eine Beschleunigung des Sanierungsprozesses wurde ein Einzelhandelsplan auf der Basis eines vorliegenden Einzelhandelsgutachtens der Stadt für das Planungsgebiet erstellt (Einzelhandelsplan).

Wichtigste Aussage des Einzelhandelsplans ist die Bestätigung einer Drittelung der Einzelhandelsflächen innerhalb der Gesamtstadt als Planungsziel im Interesse der Stärkung der Innenstadt und ihres City-Kernbereiches wie folgt:

• Stadtrand 125.000 m2 Verkaufsraum-fläche,

• Wohngebietszentren 120.000 m2 Verkaufsraum-fläche,

• Innenstadt 120.000 m2 Verkaufsraum-fläche.

Der City-Kernbereich wird im Einzelhandelsplan genau definiert, dazu werden ergänzende Einzelhandelsbereiche mit unterschiedlicher Wichtung gekennzeichnet.




Einzelhandelsplan.





 

Im Einzelhandelsplan sind neben vorhandenen Haupt- und Nebengeschäftslagen weitere Entwicklungslagen für Einzelhandel ausgewiesen. Dies verdeutlicht für die Innenstadt erhebliche Entwicklungsreserven im Interesse einer Innenstadtstärkung.

Die weitere Entwicklung des Verkehrs bildet gemäß seiner Bedeutung für den Gesamtprozess einen Planungsschwerpunkt. Die Planungen für das Sanierungsgebiet binden sich im Rahmen des Generalverkehrsplans in die Gesamtplanungen der Stadt ein.

Die gute Position des ÖPNV in der Innenstadt muss gezielt weiter ausgebaut werden. Fußgänger werden in der Innenstadt durch die Ausweisung großer Teilgebiete als Tempo-30-Zonen und deren attraktive Gestaltung optimale Bewegungsmöglichkeiten haben. Dieses wird weiter untersetzt werden mit einer Komplettierung des Systems reiner Fußgängerbereiche.

Ebenso wird sich die Situation für Radfahrer weiter verbessern, d. h. dass die An- und Verbindungen des gesamtstädtischen Radwegesystems im Bereich des Sanierungsgebietes ergänzt werden, aber ansonsten den Radfahrern das Tempo-30-Zonen-System ebenfalls zugute kommt.

Der fließende Verkehr wird bei Anerkennung seiner Bedeutung für den Wohn- und Wirtschaftsstandort Altstadt auf das notwendige Maß beschränkt und zum Teil innerhalb des Sanierungsgebietes umorganisiert werden.

Zum ruhenden Verkehr ist neben den vorhandenen ca. 6.000 Pkw-Stellplätzen die Schaffung von weiteren 3.000 Stellplätzen in großen Anlagen an den Hauptzufahrten zur Altstadt und in kleinen Anlagen im City-Kernbereich notwendig. Dazu kommen eine flächendeckende Bewirtschaftung der Pkw-Stellplätze und die Installierung eines Parkleitsystems.

Maßnahmen

Um die Sanierungsziele effektiv umsetzen zu können, müssen die jeweiligen Maßnahmen innerhalb des Sanierungsprozesses flexibel koordiniert und gezielt durchgeführt werden. Dies bedarf neben der ,,Daueraufgabe" Gebäudesanierung und Lückenschließung durch Neubauten z. B. eines gestaffelten Zeitplans zur Sanierung und Neugestaltung des Straßensystems.

 

Es gilt – wie auch in der Vergangenheit – vordringlich Schwerpunktbereiche im Sanierungsgebiet als Kristallisationspunkte der Sanierung zu entwickeln und verstärkt zu befördern. Von diesen und deren gesunder wirtschaftlicher Entwicklung strahlt der Prozess dann auf das Gesamtgebiet aus. Natürlich muss auch auf Erfordernisse außerhalb dieser Schwerpunktbereiche reagiert werden.




Doppelhaus in Biestow (Foto 5).




Zählt zu den treuhänderischen Aufgaben der RGS insbesondere die Entwicklung der Rostocker Innenstadt, so fungiert die Gesellschaft auch als Erschließungsträger in den Wohngebieten Biestow und Brinckmanshöhe. Ebenso engagiert sie sich als Bauträger. So entstanden in Biestow bisher ca. 70 Reihen- und Doppelhäuser (Foto 5). Für das Wohngebiet Brinckmanshöhe haben die Architekten der RGS einen neuen Haustyp entwickelt. Hier werden Reiheneigenheime in kleineren Hausgruppen mit einmaligem Blick auf die Rostocker Altstadt entstehen.




Harte Straße 27.


RGS als Träger der Wohnumfeldprogramme

Seit 1997 ist die RGS von der Hansestadt Rostock mit der Durchführung der Wohnumfeldprogramme in Dierkow, Toitenwinkel und Groß Klein beauftragt. Mit Städtebauförderungsmitteln werden Außenanlagen gestaltet, Pkw-Stellplätze geschaffen und Freizeitanlagen für Kinder und Jugendliche errichtet.

EU-Gemeinschaftsinitiative URBAN in der RGS

Seit Herbst 1999 ist die Gemeinschaftsinitiative URBAN der Europäischen Union mit ihrem Revitalisierungsprogramm für die Kröpeliner-Tor-Vorstadt in die RGS integriert. Ziel dieses bis 1999 laufenden und mit 30 Millionen DM geförderten Programms ist es:

• Problemviertel bei Städten mit über 100.000 Einwohnern,

• mit veralteter Infrastruktur,

• niedergegangener Wirtschaftsstruktur,

• sozialen Schieflagen und Problem- konzentrationen,

• ökologischen Missständen, zu revitalisieren, zu erneuern und damit die Lebensqualität für die Bewohner nachhaltig zu verbessern.




Harte Straße 26.




URBAN sanierte und stattete bisher vier Projekthäuser aus, die von den unterschiedlichsten Vereinen mit sozialem Engagement genutzt werden. Zur Unterstützung der Wirtschaftsentwicklung wurden Existenzgründungen gefördert und Mietzuschüsse bezahlt. Die Straßenrekonstruktion (Waldemar- und Margaretenstraße) der Einzelhandelshauptachse ist ebenfalls erfolgreich abgeschlossen. Ergänzend sei nur noch erwähnt, dass zahlreiche Baumpflanzungen auch den ökologischen Aspekt einer Revitalisierung unterstreichen.

 

Mit der Einbindung von ,,URBAN-Know- how" in die RGS ergeben sich weitreichende Möglichkeiten, Fördergrundlagen für integrative Programmansätze wie "Soziale Stadt" einschließlich beschäftigungsfördernder Maßnahmen in Zukunft zu erfüllen.


Unternehmensbeiträge:

Wir setzen Maßstäbe
Ihr professioneller Partner für Architektur- und Ingenieurleistungen
Hyder Consulting – Mit den besten Köpfen die besten Lösungen entwickeln
Den Geist schärfen – die Wahrnehmung schulen

Autorenbeiträge:

Das kulturelle Erbe wird gewahrt – Denkmalschutz in der Region
Zielgerichtete Ausbildung und angewandte Wissenschaft für eine innovative Region
Coburg bietet attraktives Wohnen zu relativ günstigen Preisen
Inneneinrichter – Wichtige Partner der Architekten
Limburg - als moderne Stadt der Vergangenheit und der Tradition dankbar verpflichtet