Handwerk in der Landeshauptstadt Saarbrücken zwischen Tradition und Fortschritt
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Das Handwerk in Saarbrücken bietet insgesamt 1.000 Ausbildungsplätze |
Die über 10.000 saarländischen Handwerksbetriebe mit ihren rund 85.000 Beschäftigten sind individuelle Produzenten und Dienstleister für Wirtschaft, Verwaltung und private Kunden. Ihre Produkte und Dienstleistungen zeichnen sich durch eine hohe Qualität und Individualität aus. Dabei spielt die Pflege traditioneller historischer Werte zum Beispiel im Rahmen der Denkmalpflege ebenso eine Rolle, wie die künstlerisch-avantgardistische Gestaltung von Möbeln oder sonstigen Einrichtungsgegenständen und die Anwendung neuer Techniken. Gerade deshalb spielt der Umweltaspekt im Handwerk nicht erst seit gestern eine grundlegende Rolle im Selbstverständnis des Handwerks. Schließlich stellen qualitätsvolle und damit langlebige Produkte einen entscheidenden Beitrag zur Entlastung der Umwelt dar. Qualität ist nur möglich, wenn technisches Wissen und Können vorhanden ist, aber ebenso die Begeisterung und Liebe für den Handwerksberuf. Nur dann können sich kreative Ideen entfalten und in innovative, marktorientierte Produkte umgesetzt werden.
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Das Bauhandwerk bietet unterschiedliche Spezialausbildungen |
Die Landeshauptstadt Saarbrücken bildet einen wirtschaftlichen Schwerpunkt des Handwerks. 1.600 Betriebe zählt das Handwerk in der Stadt. Diese Handwerksbetriebe beschäftigen rd. 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie arbeiten in 82 unterschiedlichen Gewerken. Der Wohnungsneubau, der Innenausbau und Erneuerung alter Bausubstanz sind das Metier des Handwerkers ebenso wie zahlreiche technische und persönliche Dienstleistungen, für die der Bürger der Stadt den Handwerker benötigt. Das breite Leistungsspektrum des Handwerks und seiner vielfältigen Berufe reicht von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmermann.
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Ausbildung zum Steinmetz |
Bemerkenswert ist vor allem die erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks. Die zahlreichen Untergangsszenarien, die in den vergangenen Jahrzehnten für das Handwerk gezeichnet wurden, haben sich allesamt als falsch erwiesen. Das Gegenteil dieser vielstimmigen Untergangsprognosen ist eingetreten. Auf den alten Wurzeln hat sich das Handwerk erstaunlich gut entwickelt und als Wirtschaftsfaktor in Stadt und Land in den letzten 20 Jahren sogar noch erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Betriebszahl ist in dieser Zeit insgesamt stabil geblieben. Bemerkenswert ist vor allem, daß die Zahl der Arbeitsplätze im Handwerk im Land um 20.000, in der Landeshauptstadt um 4.000 gesteigert werden konnte. In einer schwierigen Phase der Wirtschaft dieser Region hat sich damit das Handwerk nicht nur als Stabilisator, sondern darüber hinaus als Wachstumsfaktor für die Wirtschaft insgesamt und den Arbeitsmarkt im besonderen erwiesen. Dies gilt im übrigen auch für den Ausbildungsstellenmarkt. Hier stehen in den Saarbrücker Handwerksbetrieben jahraus jahrein den Schulabgängern rund 1.000 interessante Lehrstellen in über 50 verschiedenen Berufen zur Verfügung.
Die aufgezeigte starke Position des Handwerks auf dem Arbeitsmarkt ist allerdings wenig augenfällig. Dies hat seine Gründe. Handwerkliche Arbeitsplätze finden sich nicht geballt unter einem Dach. Die Betriebs- und Arbeitsstätten verteilen sich im gesamten Stadtbereich, in Werkstätten, in Studios und Verkaufsräumen und nicht zuletzt auch auf vielen Baustellen. Durchschnittlich beschäftigen die Betriebe 12 Mitarbeiter. Neben dem immer seltener werdenden Ein-Mann-Betrieb zählen dazu auch Handwerksunternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten.
Handwerk bedeutet Fortschritt
Der ständige Kontakt zum Verbraucher und täglich neue Herausforderungen haben schon immer den Erfindergeist des Handwerks gefordert. Gute Ideen, die Weiterentwicklung neuer Techniken, aber auch völlig neue Produkte und Organisationsformen haben im Handwerk eine lange Tradition. Daraus resultiert die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der handwerklichen Betriebe an die wirtschaftliche Entwicklung. Sie kommt auch in den Strukturveränderungen des Handwerks zum Ausdruck. Stark angewachsen ist in den letzten 20 Jahren die Zahl der technologieorientierten Handwerksunternehmen.
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Das Handwerk bietet im Saarland insgesamt 20.000 Arbeitsplätze |
So haben sich die Metall- und Elektrohandwerke und in der Landeshauptstadt gerade auch die sogenannten Dienstleistungshandwerke in den letzten 20 Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt. Neue zukunftssichere Arbeitsplätze sind in diesen Branchen geschaffen worden. Vor allem hat die Zahl der handwerklichen Zulieferer der Industrie erheblich zugenommen. Über 40 Werkzeugmacher- Dreher- und Maschinenbaubetriebe sind in der Stadt angesiedelt. Von der Raumfahrt über die Medizintechnik bis zum Automobil reichen die Tätigkeitsschwerpunkte dieser Betriebe.
Die gestiegene Leistungsfähigkeit der handwerklichen Unternehmen dokumentiert sich auch in der geographischen Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit. So ist die Zahl der überregional tätigen Unternehmen von 16 Prozent auf fast 40 Prozent angewachsen. Die Exportquote im saarländischen Handwerk ist seit Mitte der 80er Jahre von 6 auf mehr als 10 Prozent gestiegen.
Individualtechnik als kundenspezifische Leistung eines Betriebes ist ebenso charakteristisch für das Handwerk, wie die individuelle Wartung und der Kundendienst.
Seit 1900 ist die Kammer in Saarbrücken beheimatet
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Fliesenleger bei der Arbeit |
Aufgrund der Strukturen ihrer kleinen und mittleren Betriebe sind die Handwerksunternehmer jedoch nicht immer in der Lage, wirtschaftliche Entwicklungen zu überschauen und für den eigenen Betrieb richtig einzuschätzen. Sie brauchen deshalb auch Unterstützung von außen. Es liegt im Wesen des Handwerkers, daß er seine Probleme und Aufgaben selber lösen möchte und nicht gleich nach dem Staat ruft. Die hohe Eigenverantwortung des handwerklichen Unternehmers findet ihren Niederschlag in der handwerklichen Selbstverwaltung, in der Handwerkskammer, den Innungen und Verbänden des Handwerks. Die meisten Handwerksorganisationen haben ihren Sitz in der Landeshauptstadt. Neben der Handwerkskammer, die seit ihrer Gründung im Jahre 1900 in der Saarmetropole beheimatet ist, sind dies der Arbeitgeberverband des Saarländischen Handwerks, der Arbeitgeberverband der Saarländischen Bauwirtschaft, der Saarländische Kfz-Verband, der Bäckerinnungsverband Saarland und der Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar.
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Die EDV gewinnt auch in der Aus- und Weiterbildung des Handwerks an Bedeutung |
Die handwerklichen Organisationen sind das Abbild der handwerklichen Betriebe. Zur erfolgreichen Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen haben die saarländischen Handwerksorganisationen ein breites Spektrum an individuellen, auf die Bedürfnisse des Handwerks bezogene Informations-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote entwickelt. Sie umfassen heute u.a. die Bereiche Management, EDV, neue Technologien, Denkmalpflege, Gestaltung und Umweltschutz. Im Rahmen ihrer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern aus Lothringen, Luxemburg, Belgien und Rheinland-Pfalz im Interregionalen Rat der Handwerkskammern Saar-Lor-Lux unterstützt die HWK die Betriebe bei der Erschließung neuer Tätigkeitsfelder im europäischen Binnenmarkt.
Aus- und Weiterbildung wird großgeschrieben
Besonderen Stellenwert innerhalb der Arbeit von HWK, Innungen und Verbänden hat die berufliche Bildung der Lehrlinge, Gesellen und Meister im Handwerk. Die Akademie des Handwerks und die Gewerbeförderungs- und Technologiezentrale sind die zentralen Bildungseinrichtungen des saarländischen Handwerks, die die HWK an ihrem Standort in der Hohenzollernstraße in den letzten 25 Jahren geschaffen hat, um Handwerker im betriebswirtschaftlichen und technologischen Bereich aus - und weiterzubilden.
Auch die handwerklichen Fachverbände verfügen über entsprechende Bildungszentren. An erster Stelle sei hier das schon vor dem Krieg geschaffene Bildungszentrum der saarländischen Bauwirtschaft in Saarbrücken/Schafbrücke erwähnt. Die Schreiner unterhalten in Von der Heydt, das Kfz-Handwerk sowie die Gas- und Wasserinstallateure auf dem Gewerbegebiet Süd an der Goldenen Bremm moderne Lehrwerkstätten. Die Maler- und Lackiererinnung baut derzeit ein neues Bildungszentrum auf den Burbacher Saarterrassen.
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Die EDV gewinnt auch in der Aus- und Weiterbildung des Handwerks an Bedeutung |
Zukunft des Handwerks
Den Handwerksorganisationen sind in den letzten Jahren neue Aufgaben zugewachsen. Ihre Zukunftsorientierung zeigt sich darin, daß sie die Betriebe nicht nur auf ihrem Weg begleiten, sondern ihnen vorausgehen. Sie haben für die Betriebe eine Wegweiser-Rolle übernommen und sind damit zu einem unverzichtbaren Element der wirtschaftlichen Entwicklung des Handwerks geworden.
Die Entwicklung des Handwerks und seiner Organisationen ist beispielhaft auch für andere Wirtschaftsbereiche.
Das "Modell Handwerk", das aufbaut auf der Innovation und Leistungsfähigkeit der handwerklichen Betriebe und Organisationen, weist auch den Weg zur Überwindung der wirtschaftlichen Probleme des Saarlandes.






















