Wirtschaftsstruktur und Industrie in Coburg und Umgebung
Nicht nur historisch und staatsrechtlich nimmt der Raum Coburg eine Sonderstellung in Bayern ein, auch auf wirtschaftlichem Gebiet zeigt die Region Stärke.
Bayern spielt im industriellen Standortmuster der Bundes- republik eine besondere Rolle. Über 18 % aller bundesdeutschen Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe gehen hier ihrer Tätigkeit nach. Der Industriebesatz ist der zweithöchste in der ganzen Bundesrepublik. Coburg hat hieran einen nicht unbeträchtlichen Anteil.
Der Landkreis Coburg ist eines der am frühesten industrialisierten Gebiete in Bayern. Mit 280 Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe auf je 1.000 Einwohner verfügt er auch heute noch über eine der höchsten bayerischen Industriedichten.
![]() | |
Palais Edinburgh, Sitz der Industrie- und Handelskammer zu Coburg. |
Aufschwung durch die Grenzöffnung
Die Coburger Region befindet sich mitten in Deutschland, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Thüringen. Die Vereinigung Deutschlands und die Öffnung der Grenzen zu den Staaten Osteuropas haben die Strukturen, Dimensionen und Chancen für den Coburger Wirtschaftsraum direkt beeinflußt.
Durch den mit der Grenzöffnung zunächst ausgelösten wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Bruttowertschöpfung im Landkreis Coburg zwischen 1988 und 1992 über 1.200 Mio. DM.
![]() | |
Grenzöffnung, Rottenbach am 10.11.1989. |
Inzwischen sind die Coburger Unternehmen für eine sehr große Anzahl Thüringer Bürger zum dauerhaften Arbeitgeber geworden.
Alleine rund 11.000 Arbeitnehmer pendeln aus dem Arbeitsamtsbezirk Suhl, überwiegend aus der Region Sonneberg, in den Bezirk Coburg und belegen die große Anziehungskraft der Region.
Auch bei den von der IHK eingetragenen Ausbildungsverhältnissen ist der Anteil der Auszubildenden aus den neuen Ländern erheblich.
Er beträgt heute nahezu ein Viertel.
Stabilität durch Produktvielfalt
Eine diversifizierte Produktpalette verleiht dieser von mittelständischen Betrieben geprägten Region heute wirtschaftliche Stabilität selbst bei schwierigen konjunkturellen Entwicklungen.
![]() | |
Im Goebel-Werk, Rödental. |
Sie reicht vom Aktenvernichter bis zur gigantischen Werkzeugmaschine, vom Schlüsselanhänger bis zum 5 m großen Dinosaurier für Vergnügungsparks, von der Spezialschulbank bis zum Polstermöbel, vom Drahtseil für Liftanlagen und Kräne bis zum High-Tech- Lichtwellenleiter, vom automatischen Fensterheber bis zum Kompressor, vom Biologiemodell für Universitäten bis zur Künstlerpuppe.
Wachstum beim klassischen Industriestandort
Mit seinen industriellen Schwerpunkten in den Branchen Holzverarbeitung/ Polstermöbel, Herstellung von Kunststoff-/ Spielwaren, Weihnachtsschmuck sowie Maschinenbau weist das Coburger Land Kennzeichen eines klassischen Industriestandorts auf.
![]() | |
In alle Welt: Hummel-Figuren. |
Trotz oder gerade wegen dieser Struktur hat sich die Region in den vergangenen Jahrzehnten im Vergleich zu anderen Bezirken des ehemaligen Grenzlands hervorragend entwickelt; allein in den 80er Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt im Raum Coburg um über 93 % gewachsen, wesentlich stärker also als in Bayern mit 74 % oder im Bund mit 64 %. Innerhalb der letzten 20 Jahre konnten rund 11.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Prozentual bedeutet das einen Zuwachs von 21,6%; er liegt damit fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt in den westlichen Bundesländern.
Polstermöbel und Spielwaren
Bei der Möbelindustrie lag das Hauptgewicht zunächst im Bereich der Korbmöbel. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die im westlichen Oberfranken starke Polstermöbelindustrie. Schreinerbetriebe spezialisierten sich auf die Anfertigung von Polstergestellen. Auch viele Korbmacher stellten sich auf die Herstellung von Polstermöbeln um.
Heute beläuft sich die Zahl der Beschäftigten im oberfränkischen Polstermöbelbereich auf 8.500 mit einem Jahresumsatz von 1,6 Mrd. DM. In der Coburger Region stellt die Möbelbranche insgesamt rund 150 Ausbildungsplätze.
![]() | |
Das Coburger Land, noch heute ein Zentrum der Spielwarenindustrie. |
Vorherrschende Produkte des Spielzeugsektors sind Plüschtiere, Christbaumschmuck und Puppen. Nahezu 50 % aller Beschäftigten der Spielzeugindustrie Deutschlands arbeiten in den Regionen Nürnberg und Coburg.
Die von der IHK zu Coburg initiierte und mitbegründete Deutsche Spielzeugstraße e. V. - von Nürnberg über Coburg und Neustadt nach Thüringen - verbindet inzwischen die wichtigsten Spielwarenzentren. Auch das jährliche Puppenfestival in Neustadt bei Coburg hat heute weit überregionale Bedeutung erlangt.
![]() | |
Weihnachtsmarkt: Glaskugeln aus der Region. |
Geschäfte mit 130 Ländern
Einer alten Coburger Tradition entspricht die internationale Orientierung.
Früher, zu Zeiten des Herzogtums Coburg-Sachsen- Gotha, bestanden verwandtschaftliche Beziehungen zu allen Königs- und Fürstenhäusern Europas, heute sind es unsere Unternehmen, die mit rund 130 Ländern der Welt intensive Geschäftsbeziehungen unterhalten.
Allein der Auslandsumsatz beträgt mehr als 1,3 Mrd. DM.
![]() | |
Spielwaren aus der Region: Teddybär. |
Es darf aber nicht übersehen werden, daß gegenwärtig einige Industriebranchen auch in den Regionen des ehemaligen bayerischen Grenzlands internationalen Anpassungs- zwängen ausgesetzt sind. Hierzu zählt der zunehmende Wettbewerbsdruck im Bereich arbeitsintensiver Industrien durch die Billiglohnkonkurrenz der Länder des ehemaligen Ostblocks. Durch gezielte Sortimentsveränderungen, hin zu hochwertigen Artikeln mit durchdachtem Design, konnte man dem Angebotsdruck im Niedrigpreisbereich allerdings teilweise ausweichen.
![]() | |
Der Coburger Landkreis, Ahorn und Veste Coburg. |
Zukunftspotential für das nächste Jahrtausend
Es darf aber nicht verkannt werden, daß diese Nähe zu den Reformstaaten des Ostens für ein kapital- und ausbildungsintensiv produzierendes Land wie Deutschland langfristig nicht nur Risiken, sondern auch neue Chancen eröffnet. Dies gilt im besonderen Maße für grenznahe Standorte. Bietet sich doch gerade in Coburg aufgrund der räumlichen Nähe und kurzen Transportwege die Möglichkeit, durch internationale Kooperationen an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen und dadurch langfristig die heimischen Standorte zu sichern. Die Verbesserung der Verkehrswege durch den in ein paar Jahren abgeschlossenen Bau des Teilstücks der A 73 und der ICE- Strecke werden diese Standortqualitäten noch weiter stärken.
![]() | |
Zukunftsvision A 73. |
Erste Anzeichen dieses Potentials dokumentieren sich schon an der Zunahme der Wirtschaftskraft. Sie ist im westlichen Oberfranken seit 1980 um fast 124 % gestiegen, also 22 % mehr als im gesamten Bundesgebiet. Auch bei einem 10-Jahres- Vergleich des Beschäftigungsanstiegs wird dies deutlich: per Saldo wurden rund 21.500 zusätzliche Arbeitsplätze neu geschaffen. Dies entspricht einer Zunahme von insgesamt 11,5%; deutlich höher als im westlichen Bundesgebiet mit 7,8%.
Als Fazit ist festzustellen:
Die Coburger Region ist ein starker Wirtschaftsraum und ein attraktiver Standort mit den richtigen Qualitäten und viel Potential für das nächste Jahrtausend.
























