Prof. Dr. Franz Häuser

Der Autor, 1945 in Limburg an der Lahn geboren, studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Marburg und Bonn. Es folgten Promotion und Habilitation für die Fächer Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Arbeitsrecht an der Universität Mainz. Seit 1992 ist er Universitätsprofessor an der Juristenfakultät der Universität Leipzig und wurde 2003 zum Rektor gewählt.

Forschung mit Weltgeltung

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Koordiniert das europäische Exzellenz-Netzwerk "SANDiE" auf dem Gebiet der
Halbleiterforschung: der experimentelle Physiker Prof. Dr. Marius Grundmann

Universität Leipzig mit Kompetenz

und Exzellenz auf zukunftsträchtigen Forschungsfeldern

Als klassische Volluniversität verfügt die Universität Leipzig über ein sehr breites Spektrum wissenschaftlicher Fächer aus Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, Medizin und Veterinärmedizin, die sich in übergreifender Zusammenarbeit gegenseitig anregen und entwickeln. Grenzüberschreitungen zwischen den herkömmlichen wissenschaftlichen Disziplinen, internationale Kooperationen, die Vernetzung mit Wirtschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, und zwar sowohl regional als auch international, entsprechen nicht nur der Tradition der zweitältesten deutschen Universität, sondern bilden auch die Grundlage ihrer wissenschaftlichen Exzellenz in der heutigen Zeit.

 

In einem längerfristigen Prozess haben sich an der Universität sechs profilbildende Forschungsbereiche herausgebildet, in denen jeweils verschiedene Fakultäten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen eng zusammenarbeiten und dabei Spitzenforschung mit internationaler Graduiertenausbildung verbinden. Es sind dies:

• Von Mikro- zu Nanostrukturen

• Die exakten Wissenschaften

• Molekulare und zelluläre Kommunikation, Wachstum und Differenzierung

• Sprache, Gehirn und Kognition

• Studien zur Governance der Gesellschaft

• Veränderte Umwelt und Krankheit

 




Studenten im neuen Lesesaal der Universitätsbibliothek "Bibliotheca Albertina"

Ein Beispiel fächerübergreifender Zusam-menarbeit ist die Forschung zu nano- und mikrodimensional strukturierten Verbindungs-Halbleitern für Elektronik und Photonik, also zu den Voraussetzungen der künftigen Infrastruktur der modernen

 

Gesellschaft. Aufbauend auf den langjährigen Erfahrungen der fächerübergreifenden Arbeitsgemeinschaft „Halbleiterforschung Leipzig“ koordiniert die Universität ein von der EU gefördertes europäisches Exzellenz-Netzwerk auf dem Gebiet der selbstorganisierten Halbleiter-Nanostrukturen. Sie bilden die Basis für völlig neuartige und in ihren Eigenschaften verbesserte elektronische und photonische Bauelemente. Die Nutzung von Selbstorganisationsmechanismen erlaubt die parallele und preisgünstige Herstellung von Nanostrukturen. Durch Verwendung ressourcenschonender, energiesparender nanotechnologischer Bauelemente wird insbesondere ein Beitrag für eine nachhaltige technologische Entwicklung in Massenmärkten wie optischer Kommunikationstechnik, Datenspeicherung und Displaytechnik geleistet. Völlig neuartige Anwendungen sind z. B. Einzelphotonenquellen für Quantenkryptographie.

 

Modellhaft für die Verbindung von Grundlagen- und angewandter Forschung sowie für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft steht das Projekt „Innovative kostengünstige, flexible CIS-Photovoltaik“ (INNOCIS) – ein vom BMBF geförderter Wachstumskern. Fußend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten unter Federführung des Leipziger Unternehmens Solarion GmbH mehrere Forschergruppen der Fakultät für Physik und Geowissenschaften sowie der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität an neuartigen Solarzellen auf flexibler Polymerfolie, die der Stromversorgung z. B. bei Geräten der Telekommunikation oder in der Satellitentechnik dienen können.

 




Fakultät für Chemie und Mineralogie,
Neubau der Chemischen Institute.

Nicht nur für diese Projekte bietet die erstklassige Ausstattung, über die die Universität auf vielen Gebieten verfügt, die Grundlage für die effiziente Bearbeitung solch anspruchsvoller Aufgabenstellungen. An der Fakultät für Physik und Geowissenschaften steht die weltweit leistungsfähigste Hochenergie-lonensonde LIPSION zur Untersuchung kleinster Strukturen in Medizin, Biologie und in den Materialwissenschaften zur Verfügung. Und hier befindet sich auch Deutschlands leistungsstärkstes Kernspinresonanzspektrometer. Anwendungsgebiete für das neue Gerät sind beispielsweise die Untersuchung von Zeolithen, ihrer Wirkungsweise als Molekülsiebe und Katalysatoren oder auch biologischen Zellmembranen. Das Superspektrometer steht zwar im Bereich der Physik, doch bearbeitet werden auch Fragestellungen aus Chemie und Mineralogie, aus den Biowissenschaften und der Pharmazie, aus Human- und Veterinärmedizin sowie aus dem Max-Planck-lnstitut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

 

Aber nicht nur in den experimentellen Na-turwissenschaften ist in Leipzig Spitzenforschung zu Hause, auch in der Mathematik und in den exakten Naturwissenschaften, also in den Wissenschaftsbereichen, die mit streng mathematischen Methoden untersucht werden können und die umgekehrt auch für die Mathematik interessante Fragestellungen aufwerfen, kann die Universität Leipzig auf eine lange Tradition und auf aktuelle Forschungsprojekte verweisen. Das findet auch darin seinen Niederschlag, dass in den 90er- Jahren neben dem Mathematischen Institut und den theoretischen Instituten in Leipzig ein Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften angesiedelt wurde.

 




Ausländische Nachwuchswissenschaftler
in einem der modernen Labore im Neubau Chemie: Gastwissenschaftler Alexej Anikin
und Promotionsstudentin Svetlana Zakharova am Rotationsverdampfer.

Zellen, Moleküle, Roboter

Die Aufklärung komplexer Erkrankungen durchläuft derzeit eine dynamische Ent-wicklung. Zunehmend wird deutlich, dass bisher als homogen betrachtete Krankheitsbilder auf sehr unterschiedliche Mechanismen zurückgehen, deren Kenntnis entscheidend für die Diagnostik und den Therapieerfolg ist. In einem fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkt der Universität Leipzig werden deshalb die Kompetenzen der drei Wissenschaftsdisziplinen „Patientenbezogene klinische Forschung“, „Biowissenschaftliche Forschung“ und „Theoretische Methodenforschung“ noch enger miteinander vernetzt. So haben Forschergruppen aus Leipzig und Halle ihre Kapazitäten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung an Proteinen gebündelt und arbeiten im Sonderforschungsbereich „Protein-Zustände mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz“ zusammen, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Mit modernen Geräten und Methoden ist man hier der Komplexität des molekularen Geschehens in gesunden und kranken Zellen auf der Spur. Damit soll der Grundstein für die Entwicklung neuer Medikamente für schwer heilbare Krankheiten gelegt werden.

 
Die anfallenden Riesenmengen von Rohdaten etwa in der molekularbiologischen Forschung müssen analysiert, katalogisiert und archiviert werden. Das ist nur eine von vielen Forschungsaufgaben, die das „Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik“ – eines der fünf von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Zentren aus einem Wettbewerb mit 31 Anträgen – bearbeitet. Es befasst sich mit den Grundlagen der genetischen Evolution und den zum Beispiel wegen der Tumorentstehung wichtigen Mechanismen der Gewebebildung und -funktion. Dazu zählt das Forschungsgebiet, das sich mit dem Begriff der zellulären Signaltransduktion umreißen lässt. Dabei wird zu klären sein, wie die biologische Datenverarbeitung, bei der ein molekularer „Computer“ mit großer Präzision die Lebensvorgänge der Zelle steuert und auf vielfältige Situationen richtig reagiert, funktioniert.





Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirugie im Universitätsklinikum Leipzig. Operation mit dem neuem Computernavigationsgerät unter Leitung von Prof. Christoph Josten. Diese Methode ermöglicht die virtuelle Simulation von Operationsschritten.

Mit der Gründung eines Fraunhofer Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig erweitern sich die Kooperations-möglichkeiten der Universität, die ja in der Biomedizin und überhaupt in den Lebenwissenschaften eine ihrer wichtigsten Profillinien sieht. Für die Lösung der Fragen der regenerativen Medizin, etwa des Organ- und Gewebeersatzes, wie sie das neue Institut in den Mittelpunkt stellen wird, sind die Arbeiten und Kooperationen mit zahlreichen Arbeitsgruppen der Universität Leipzig von besonderer Bedeutung. Seit Mitte der 90er-Jahre hat sich mit viel Erfolg das „Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung“ (IZKF) mit seinen Schwerpunkten Immunologie, Endokrinologie, Neurowissenschaften und Onkologie entwickelt. Seit wenigen Jahren ist das „Biomedizinisch-Biotechnologische Zentrum“ in der Bio City mit sechs neu eingerichteten Lehrstühlen hinzugekommen.


Neue Überlegungen aus der Arbeit der in-terdisziplinären Arbeitsgruppe „Bildgestützte chirurgische Navigation und medizinische Robotik“ sind Grundlage des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten „Innovationszentrums für Computerassistierte Chirurgie“ in Leipzig. Das Zentrum betreibt fakultätsübergreifend Wissenschaft und Lehre auf dem Gebiet der computer- und roboterassistierten Chirurgie an der Medizinischen Fakultät in enger Kooperation mit der Fakultät für Mathematik und Informatik, der Veterinärmedizinischen Fakultät und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.

 
Einen weiten Bereich der Leipziger Forschung kann man mit dem Begriff „vom Molekül zum Verhalten“ umschreiben. Er reicht von der genetischen Analyse bis hin zur Erklärung und Beeinflussung menschlichen Verhaltens. Die Untersuchung der biologischen Grundlagen mentaler Prozesse hat an der Universität Leipzig eine lange Tradition und führte von neuroanatomischen Untersuchungen über die Quantifizierung mentaler Prozesse zur Etablierung der experimentellen Psychologie. In jüngerer Zeit haben sich die modernen Kognitionswissenschaften zu einem Schnittpunkt der Untersuchung molekularer und zellulärer Grundlagen der Hirnfunktionen durch Neurowissenschaften einerseits und der darauf beruhenden mentalen Funktionen andererseits entwickelt. Dieser Ansatz wird in Richtung der Verhaltensforschung durch eine Konzentration der medizinischen, der sozial- und der sportwissenschaftlichen Forschungen auf dem Gebiet der Prävention und Rehabilitation weitergeführt. Schließlich ist mit der evolutionären Anthropologie ein von der Biologie bis zur Sprachwissenschaft reichender interdisziplinärer evolutionstheoretischer Erklärungsansatz hinzugetreten. Das Thema der „neuronalen Interaktionen“ verbindet die Neuro- mit den Kognitionswissenschaften, diese wiederum sind durch Fragen nach Charakterisierung und Funktionieren des „Gesellschaftlichen Denkens“ („Social Brain“) mit der Lebensstilforschung in medizinischen Wissenschaften, den Sozial- und den Sportwissenschaften verknüpft, während sich die Zusammenarbeit zwischen Kognitionswissenschaften und Anthropologie auf das Feld „Genetische Bildgebung“ („lmaging Genomics“) konzentriert.

 




An der Fakultät für Physik und Geowissenschaften der Universität Leipzig steht die weltweit leistungsfähigste Hochenergie-Ionennanosonde zur Untersuchung kleinster Strukturen in Medizin, Biologie und Mineralogiewissenschaften zur Verfügung. Dr. Jürgen Vogt an der Messkammer der Nanosonde, mit der im Jahr 2000 ein Kleinheitsweltrekord für den Ionenstrahl mit gemessenen 40 Millionstel Millimeter aufgestellt wurde.

Regionalisierung und Globalisierung

Die Universität Leipzig kann auf ein außer-ordentlich breit gefächertes Disziplinenspektrum in den Geistes- und Sozialwissenschaften zurückgreifen. Das ergibt sich aus ihrer langen Geschichte als eine der ältesten deutschen Universitäten und aus ihrer Position an der Spitze der europäischen Hochschulen um 1900, als sich die disziplinäre Ausdifferenzierung rasant beschleunigte.

 

Der zunehmenden Rolle der Region und den vielfachen Möglichkeiten, sich über Regionalisierungsprozesse mit einem Raum und über einen Raum zu identifizieren, tragen Untersuchungen in der Soziologie, in den Politik-, Kultur- und Erziehungswissenschaften, in der Geographie, Geschichtswissenschaft und Theologie Rechnung. In diese Untersuchungen sind die außeruniversitären Institute zur jüdischen Geschichte und zur Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas eingebunden. Schließlich wendet sich ein Verbund von Fächern, zu denen die Arabistik, die Afrikanistik, die Ostasienwissenschaften, die Frankophoniestudien und die Lateinamerikawissenschaften wie auch die Amerikanistik gehören, den Tendenzen der Globalisierung, ihren Rand- und Bruchzonen zu. Verknüpft sind diese drei Forschungsverbünde durch eine dichter werdende Kommunikation über die allgegenwärtige kulturelle Aufladung von Räumen und Raumbezeichnungen mit gesellschaftlicher Bedeutung. Es geht aber auch um die schwächer werdende Eindeutigkeit des Bezugs auf eine einzelne Region, eine Nation oder einen Kontinent.





Der Siegerentwurf des Architekturbüros Erik van Egeraat in der Architekturausschreibung zur Neu- und Umgestaltung des Universitätskomplexes am Augustusplatz; hier eine Fotomontage von Erik van Egeraat, Rotterdam. Die Fertigstellung ist für 2009 vorgesehen.

Gerade wegen der aktuellen Veränderung gesellschaftlicher Prioritäten, wissenschaftlichtechnischer Möglichkeiten und wirtschaftlicher Notwendigkeiten hält die Universität Leipzig an der Leitidee der klassischen Universität, an einem möglichst breiten Kanon der Disziplinen fest. Die hier bewahrte traditionelle Vielfalt der Fächer ist erforderlich, um auf die komplexen Fragen der Gegenwart Antwort geben zu können. Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass diese Antworten, auf der Grundlage disziplinärer Spitzenforschung fußend, zunehmend interdisziplinär gefunden werden müssen und die Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Denkrichtungen, von Geistes- und Naturwissenschaftlern ebenso wie von Medizinern und Sozialwissenschaftlern, erfordern.

 

Ich bin mir sicher, dass die Universität Leipzig im Jahre 2009, zur Feier ihres 600-jährigen Bestehens, gerade auch vor dem Hintergrund der erfolgreichen Entwicklung auf dem Gebiet der Forschung, ihrem Ziel, in die erste Reihe der deutschen und europäischen Hohen Schulen zurückzukehren, einen entscheidenden Schritt näher gekommen ist.

 

 


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Unternehmensbeiträge:

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Die Studierenden im Mittelpunkt – Hochschule mitten in der Gesellschaft
Hochschule Bochum – qualifizierter Nachwuchs für die Wirtschaft
Vielfalt, Exzellenz, Netzwerke – Die Kieler Universität setzt Maßstäbe

Autorenbeiträge:

Spitzenforschung fördern – Neuro Science Cen­ter für die Universitätsmedizin Frankfurt
ETH-Spin-offs – Nachhaltige Wirkung auf die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft
Wissenschaft - international anerkannte Grundlagen- und Anwendungsforschung aus Paderborn
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