Jörg Krieger

Der Autor, geboren 1970 in Hanau, schloss 1988 erfolgreich die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann ab. Nach dreijähriger Tätigkeit in zwei großen Einzelhandelsunternehmen, wechselte er 1991 zu den Stadtwerken in Hanau in die Verwaltung. Von 1993 bis 2002 war er als Bahndisponent und von 2002 bis 2004 als Hafenmeister in den Hafenbetrieben der Stadtwerke Hanau beschäftigt. In den letzten Jahren bildete er sich weiter zum Facility Management Agent und zum Immobilien Fachwirt (IHK). Seit Anfang 2005 leitet er die Hafenbetriebe in Hanau.

Der Hafen – bedeutender Handelsplatz für den Wirtschaftsstandort Hanau


Der Hanauer Hafen, eine Abteilung der Stadtwerke Hanau GmbH, ist für den Wirtschaftsstandort Hanau schon seit über 80 Jahren der wichtigste Knotenpunkt für Schiff, Bahn und LKW-Verkehr. Die zentrale Lage der Stadt Hanau an den wichtigen Verkehrsträgern wie dem Main, den Bahntrassen von Ost nach West und von Nord nach Süd, den Bundesautobahnen A 3, A 45 und A 66 sowie dem direkten Zubringer der B 43 a mit eigener Abfahrt „Hanau Hafen“ machen diesen Standort so wertvoll.


Seit Mitte der achtziger Jahre entwickelte sich der Hanauer Hafen immer mehr zum Logistikdienstleister und bietet logistische Gesamtlösungen aus einer Hand. Gemeinsam mit den Kunden werden Transportlösungen erarbeitet und Wege gefunden, wie der Standort Hanau in die jeweiligen Schiffs- und Bahntransporte eingebunden werden kann.


Geschichtlicher Rückblick



Bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Hanau Güter per Floß umgeschlagen. Dies bewegte die Stadt Hanau dazu, einen größeren und leistungsfähigeren Hafen zu errichten. Leider wurde dieses Vorhaben durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges verhindert. Wegen der hohen Arbeitslosenrate nach Kriegsende entschieden die Stadtverordneten, den Bau des Hafens durch eine Notstandsmaßnahme zu realisieren. Nach gut 3 1/2 Jahren Bauzeit wurde am 25. Oktober 1924 das Hafenbecken mit einer Länge von 950 m, einer Breite von 64 m und einem Tiefgang von 2,70 m dem Schiffsverkehr übergeben. Hinzu kam eine ca. 800 m lange Fläche am Fluss, die zur Be- und Entladung der Schiffe dient. So entstand ein befestigtes Ufer von rund 2,7 km Länge. Für den An- und Abtransport von Massengütern wurde gleichzeitig eine Gleisverbindung vom Hauptbahnhof Hanau zum Hafen und beidseitig entlang des Hafenbeckens mit einer Gesamtlänge von rund 10 km erstellt. Die wasserbaulichen Anlagen und die Bahnanlagen des Hafens entstanden im Auftrag der Stadt; die Umschlagseinrichtungen, wie Kräne, Silos und Lagerhäuser auf Initiative der Anliegerfirmen. Aufgrund der sehr guten, verkehrsgünstigen Lage stellte die Besiedlung des Hafens keine Schwierigkeit dar. Bereits über ein Jahr vor der Inbetriebnahme hatten rund 80 Prozent der Kaifläche und 50 Prozent der zur gewerblichen Nutzung vorgesehenen Grundstücke einen Käufer gefunden.

Am 31. März 1937 ging der Hafenbetrieb von der Stadtverwaltung auf die Stadtwerke Hanau über. Im Jahre 1960 konnten zwei Mineralölfirmen angesiedelt werden, welche heute 30 Prozent im Schiffsverkehr und über 50 Prozent im Bahnverkehr ausmachen.


Ausbau des Hafens



Das Hafenbecken wurde in den Jahren 1984/85 wegen des Ausbau des Mains zur Großschifffahrtsstraße auf 3,40 m vertieft. In Verbindung dieser Baumaßnahme wurde auch die Schüttsteinböschung saniert bzw. durch eine Stahlspundwand ersetzt. Dieser Umbau ermöglichte es, dass heute Schiffe mit einer Tragfähigkeit von bis zu 3.500 Tonnen den Hanauer Hafen anlaufen können. Die Investition der Stadtwerke Hanau von ca. 3 Mio. Euro brachte eine wesentliche Verbesserung für die Umschlagsfirmen beim Be- und Entladen der Schiffe.

1988 bis 1989 wurden 125 m der insgesamt 950 m langen Kaimauer für rund 1 Mio. Euro saniert. 1998 investierten die Stadtwerke Hanau noch mal rund 1 Mio. Euro für den Austausch der restlichen Schüttsteinböschung am Nordufer des Hafenbeckens durch eine Stahlspundwand.

Auch im Jahr 2005 werden nennenswerte Umbauten und Sanierungsarbeiten an der Kaimauer im Hafenbecken vorgenommen, wofür eine Investitionssumme von ca. 2,5 Mio. Euro veranschlagt wird.


Wachsende Umschlagszahlen



Der Hanauer Hafen ist ein innovatives Unternehmen, das sich dem Wandel der Zeit stellt und für die Zukunft gut gerüstet ist. Denn die Umschlagszahlen belegen, dass sich die Investitionen bisher stets positiv ausgewirkt haben.

Wurden im Jahr 1950 im Schiffsverkehr noch ca. 300.000 Tonnen umgeschlagen, so waren es 1973 schon 1,7 Mio. Tonnen und im Jahr 2004 rund 2,0 Mio. Tonnen.

Im Bahnverkehr wurde in den letzten 80 Jahren auch einiges verändert. So wurde im Jahre 1969 die Zuführung vom Hauptbahnhof Hanau in den Hafen umgelegt. Dabei entstand eine Rangieranlage mit einer zusätzlichen Gleislänge von ca. 1,2 km. Diese ermöglichte es, den enorm gestiegenen Bahnumschlag zügig und reibungslos abzuwickeln. Die Bahnübergänge im Hafengebiet wurden teilweise dem erhöhten Straßenverkehr angepasst und mit einer modernen technischen Sicherung ausgestattet. Auch hier sind die Umschlagszahlen enorm angestiegen. Im Jahre 1968 wurden 545.000 Tonnen umgeschlagen, in 2002 waren es bereits 1,3 Mio. Tonnen. Im Jahr 2004 wurde im Bahnverkehr ein Rekordumschlag von 1,6 Mio. Tonnen abgewickelt.

Die Gesamt-Umschlagszahlen im Jahr 2004 mit 3,6 Mio. Tonnen ohne LKW-Verkehr machen Hanau zu einem der größten deutschen Häfen an Main und Donau. Insgesamt 1.711 Schiffe und 38.808 Waggons wurden im Hanauer Hafen abgefertigt.


Der Hafen heute

Der Erfolg beruht auf der Kooperation von kommunaler Versorgungsleistung und den ansässigen Unternehmen im Hafen. Dies geschieht nach dem Grundsatz: „So wenig hoheitliche Verwaltung wie nötig – so viel wirtschaftliche Effizienz wie erreichbar“. Die Hafenverwaltung besteht aus zwei gewerblichen und zwei kaufmännischen Mitarbeitern. Der Leiter der Abteilung Hafen nimmt die Aufgaben der Hafenbehörde wahr und ist Eisenbahnbetriebsleiter der Hafenanschlussbahn.



Die privatwirtschaftliche Initiative kann an zwei Beispielen verdeutlicht werden. Die Firma HUL in Hanau betreibt das größte und modernste Getreidesilo mit eigenem Labor in Hessen. Die Firma Oiltanking hat in den letzten Jahren im Tanklager Hanau hohe Investitionen getätigt, wie zum Beispiel für den Bau der Kesselwagen-Verladeanlage, mit der das gleichzeitige Entleeren von 12 Kesselwagen ermöglicht wird. Auch ein weiterer Öltank mit einem Fassungsvermögen von 15.000 m3 wurde errichtet, der als neues Wahrzeichen schon von der Bundesstraße aus zu sehen ist.

Der Hafen Hanau erstreckt sich über rund 31 Hektar und verfügt über 58.000 m2 gedeckte und 82.000 m2 ungedeckte Lagerfläche. In Trichtern lagern bis zu 6.000 Tonnen Güter, die Silos können 51.000 Tonnen Getreide aufnehmen, der Tanklagerraum hat ein Volumen von 76.000 m2.



Heute haben viele namhafte Firmen ihren Standort im Hanauer Hafen. Dazu gehören u. a. die Firma Rhenus, Oiltanking Deutschland, HUL Ha-nauer Umschlag und Lager, Deutsche BP, UHG Umschlag und Handel, Theo Steil, Halema Futtermühle und Gerling Holz um nur einige zu nennen, die aktiv am Umschlag in Hanau beteiligt sind. Aber auch die direkte Nachbarschaft mit Firmen wie der Vacuumschmelze Hanau, Eisen Rau, Bauhaus, Hornbach und Schwab Versand machen die Besonderheit des Hafens für den Wirtschaftsstandort Hanau klar deutlich. So bietet der Hafen ca. 3.000 Menschen einen Arbeitsplatz und ermöglicht Hanau eine interessante Position im Main-Kinzig-Kreis. Die vielen im Hafengebiet vertretenen Unternehmen sichern einen kurzen Weg für eine schnelle, effiziente Logistik. Die zügige Abwicklung des Güterumschlages wird durch das direkt im Hafen angesiedelte Zollamt positiv beeinflusst.

Neben der üblichen Speditions- und Güterabwick-lung werden im Mainhafen Hanau Getreide, Mineralöle, Futter- und Düngemittel, Recyclingstoffe, Baustoffe, Maschinen und vieles mehr angeliefert und abtransportiert. Die umgeschlagenen Güter werden auf dem Wasserweg hauptsächlich von und zu den ARA-Häfen (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) befördert. Der Schienenverkehr konzentriert sich hauptsächlich auf die Strecken aus Leuna (Treibstoffe Total Deutschland) und der Region um Neuhof in Hessen (Kalidüngemittel Kali + Salz).

Für Ansiedlungen von hafenaffinen Betrieben stehen noch Grundstücke mit Wasser- und Bahnanschluss von ca. 1.000 m2 bis 30.000 m2 in Firmen- bzw. Hafeneigentum zur Verfügung. Ansprechpartner und Vermittler für alle Areale ist die Hafenverwaltung.


Unternehmensbeiträge:

Erfurter Industriebahn GmbH
AUTOHAUS GLINICKE GmbH & Co. Vertriebs KG
Graf - Kompetenz in Touristik und Transport

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