Hans Berger

Der Autor ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank AG. Die HSH Nordbank ist eine starke Regionalbank im Norden Europas und als internationaler Sektorspezialist weltweit führender Schiffsfinanzierer.

Der Hamburger Hafen – Verkehrsdrehscheibe zwischen der Ostseeregion und Asien

Der traditionsreiche Hafen ist bereits seit Jahrhunderten ein Aushängeschild der Hamburger Wirtschaft. Gerade in den letzten Jahren hat sich gezeigt, welch ungeheure Vitalität die maritime Wirtschaft aufweist und welch überregionale Bedeutung der Außenhandel und die Schifffahrt für die Zukunft der Stadt haben.

Hamburg ist ein internationales Logistik-Drehkreuz und profitiert von seiner geografischen Lage zwischen Nord- und Ostsee. Einerseits wickelt der gesamte Wirtschaftsraum östlich von Deutschland, wie etwa Osteuropa, die baltischen Staaten und der Westen Russlands, einen großen Teil seiner Im- und Exporte über den Hamburger Hafen ab. Andererseits dominieren die Länder Asiens – und hier vor allem China – als wichtigste Handelspartner des Hamburger Hafens. Der Hafen verzeichnet seit Jahren dynamische Wachstumsraten. Dabei baut Hamburg seine Position als größter Containerhafen für den Handel mit China, Osteuropa und dem Ostseeraum weiter aus.

Hamburg als Europas zweitgrößter Containerhafen




Hamburg ist die wichtigste Verkehrsdrehscheibe zwischen der Ostseeregion und Asien.

Im Jahr 2005 erreichte der Seegüterumschlag im Hamburger Hafen einen neuen Umschlagrekord. Allen voran wuchs der Containerumschlag via Hamburg um 15,5 Prozent auf 8,1 Mio. TEU. Mit dem Überschreiten der 8-Millionen-Grenze kletterte Hamburg auf Position acht in der Rangliste der Weltcontainerhäfen. In Europa nimmt der Hafen Rang zwei ein. Die wachsende Bedeutung Hamburgs als Nordeuropas Verteilerzentrum im Containerverkehr basiert vor allem auf den steigenden Zuwachsraten im Asien-Verkehr. Asien erzeugt inzwischen fast die Hälfte der weltweiten Industrieproduktion und hat sich damit als neues Gravitationszentrum der Weltwirtschaft etabliert. Stärkster Wachstumsmotor der Region ist China, was sich entsprechend in den Umschlagszahlen des Hamburger Hafens niederschlägt. Die überragende Bedeutung Asiens für den Hamburger Hafen verdeutlicht auch die Zahl von 29 Vollcontainer-Liniendiensten, die Hamburg wöchentlich mit den Häfen in dieser Region verbinden.

Europäisches Zentrum für den Handel mit Asien



Der bilaterale Handel zwischen China und der EU umfasst überwiegend verarbeitete Güter, die heute in Containern verschifft werden. Die meisten in Europa nachgefragten Konsumprodukte werden mittlerweile in Asien hergestellt und anschließend in Europa vertrieben. Andererseits wächst der Außenhandel europäischer Länder durch containerisierbare Ladungsgüter. Die Verlagerung von Produktionsstätten in asiatische Niedriglohnländer, zunehmend globalisierte Zulieferbeziehungen und weltweite Vertriebsstrategien der Industrie erhöhen den Bedarf an Transportkapazitäten stetig. Hamburg wickelt nicht nur den deutschen Außenhandel mit China ab, sondern bietet chinesischen Exporteuren auch ein effizientes Drehkreuz für die Bedienung der Märkte in Ost- und Nordeuropa einschließlich des gesamten Baltikums. Kein anderer europäischer Hafen weist ein so dichtes Abfahrtennetz sowohl im Verkehr mit Ostasien als auch mit den neuen Märkten in Osteuropa auf. Mit einer hohen Dichte chinesischer Unternehmen gilt Hamburg zudem als das „China Centre Europe“. Jedes Jahr kommen weitere Unternehmen aus der Volksrepublik hinzu.

Enge Beziehungen zum Ostseeraum und nach Osteuropa




Containerschiff beim Löschen der Ladung

Die EU-Osterweiterung sowie die wirtschaftliche Umstrukturierung der Länder Mittel- und Osteuropas haben Hamburg in eine starke wirtschaftsgeografische Lage versetzt. Der Hamburger Hafen hat sich mittlerweile zur wichtigsten Verkehrsdrehscheibe für die Abfertigung der Im- und Exporte der Nachbarstaaten Polen, Tschechische Republik, der Slowakei, Ungarns, Österreichs aber auch des gesamten Ostseeraums entwickelt. Im vergangenen Jahr erzielte der Hamburger Hafen Zuwachsraten von rund 20 Prozent im seewärtigen Verkehr zwischen den Staaten im Ostseeraum. Insgesamt entfallen auf den Wirtschaftsraum Ostsee gut ein Drittel des europäischen und 16 Prozent des Welt-Ausfuhrvolumens. Dabei kommt dem Standort nicht nur die schnelle Verbindung über den Nord-Ostsee-Kanal in die baltischen Länder zugute, sondern auch seine leistungsfähigen land- und wasserseitigen Anbindungen an das Hinterland.

 

Positive Aussichten




Hamburg verfügt über Europas zweitgrößten Containerhafen.

Als zentraler europäischer Containerhafen im Asienverkehr wird der Hamburger Hafen auch in Zukunft hohe Wachstumsraten erzielen. Prognosen sagen bis 2020 einen Anstieg des Containerumschlags in Hamburg auf das Zwei- bis Dreifache der heutigen Menge voraus. Um auch in Zukunft international wettbewerbsfähig zu bleiben, kommt es auf drei entscheidende Weichenstellungen an. Erstens die Elbvertiefung: Wachsende Containermengen, die von immer größeren Containerschiffen in die Häfen transportiert werden, erfordern eine weitere Anpassung der Elbe hinsichtlich der Tiefe der Fahrrinne. Zweitens wird ein effizientes Flächenmanagement benötigt. Das stark wachsende Geschäft mit Containern erfordert zusätzliche Flächen für Liegeplätze und Umschlagsanlagen. Der Hafenbetreiber HHLA plant bereits bis 2009 umfangreiche Investitionen in Flächenerweiterungen und den Ausbau der Hafensuprastruktur. Auch Eurogate setzt auf die starke Erweiterung seiner Umschlagskapazitäten für Container.




2005 erzielte der Hamburger Hafen Zuwachsraten von rund 20 Prozent im Verkehr zwischen den Staaten im Ostseeraum.

Drittens bietet die anstehende Neuordnung des Hafengeländes (Port Authority) zusätzlich die Chance, auch für die Hinterlandlogistik ein langfristig tragfähiges Konzept zu entwickeln. Hamburg ist der größte europäische Knotenpunkt im Bahncontainerverkehr. 70 Prozent aller Güter im Fernverkehr erreichen den Hafen per Schiene, und gut die Hälfte aller in Deutschland per Bahn transportierten Container haben ihre Quelle oder ihr Ziel im Hamburger Hafen. Um mit den künftigen Umschlagsmengen im Hafen Schritt zu halten, muss noch mehr in die Anbindung des Hinterlandes investiert werden. Daher gilt es, die Schienenanbindung, aber auch das Straßennetz weiter auszubauen. Nur so bleibt der Hafen wettbewerbsfähig, nur so kann Hamburg sein großes Potenzial als Drehscheibe zwischen den dynamischen Wirtschaftsräumen Asiens und Osteuropas nutzen.

Der Hafen und die Schifffahrtsindustrie bleiben eine treibende Kraft in der Metropolregion Hamburg. Mit einer vorausschauenden Planung beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie der richtigen Mischung von Umschlags- und Dienstleistungsangeboten wird der Hamburger Hafen auch in Zukunft beachtenswerte Erfolge erzielen.


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