MA Canrong

Der Autor, geboren 1945 in Jiangsu, war nach seiner Universitätsausbildung seit 1973 mehrfach in verantwortungs- vollen Positionen in der Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland tätig und 1999 bis 2001 Assistierender Minister des Außenministeriums der Volksrepublik China. Seit 2002 ist Ma Canrong Botschafter der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland

Wuhan – Duisburg: erste chinesisch-deutsche Städtepartnerschaft


 

Am 8. Oktober 1982 wurde zwischen Wuhan und Duisburg die erste chinesisch-deutsche Städtepartnerschaft gegründet. Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Wuhan gehörte damals zu einer Reihe von feierlichen Veranstaltungen, die anlässlich des 10. Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland stattfanden. Die ersten Kontakte zwischen Wuhan und Duisburg resultieren aus den Jahren 1978 bis 1982, als ein Konsortium der Duisburger Firmen Mannesmann-Demag, Krupp-Industrie-Technik und Thyssen Consulting gemeinsam ein Kaltwalzwerk in Wuhan errichtete. Damals lebten mehr als 300 Ingenieure, von denen die meisten aus Duisburg kamen, mit ihren Familien in Wuhan. Zur gleichen Zeit kamen auch viele Ingenieure und Techniker aus Wuhan nach Duisburg zur Fortbildung in den deutschen Unternehmen. Aus diesen Kontakten erwuchs die Idee einer Städtepartnerschaft, zumal beide Städte ähnliche wirtschaftliche Strukturen und Gegebenheiten aufweisen: Beide Städte sind in ihrem eigenen Land das Zentrum der Eisen- und Stahlindustrie.

Die Initiative, eine Partnerschaft zwischen Wuhan und Duisburg zu schließen, wurde von der chinesischen Regierung begrüßt und unterstützt. Das Jahr 1982 war ein wichtiges Jahr in der Geschichte Chinas seit der Einführung der Öffnungs- und Reformpolitik. Die Reform auf dem Lande erzielte beträchtliche Erfolge und China bereitete sich auf den Übergang der Wirtschaftsreform auf die Städte vor. Die Städteparnterschaft zwischen China und dem Ausland, insbesondere die Partnerschaft mit den Städten in dem wirtschaftlich entwickelten westeuropäischen Raum gewann zu diesem Zeitpunkt immer mehr an Bedeutung, weil China sich sehr für die Erfahrungen dieser Städte in der wirtschaftlichen Entwicklung interessierte. Auch die deutsche Seite unterstützte die Gründung einer solchen Partnerschaft zwischen Duisburg und Wuhan, die ein Fenster für die deutsche Wirtschaft in einem neu zu erschließenden Markt eröffenen sollte.

Im Laufe der vergangenen mehr als 20 Jahre erlebte die erste chinesisch-deutsche Städtepartnerschaft eine gute Entwicklung. Seit 1982 werden Austausch und Zusammenarbeit zwischen Wuhan und Duisburg in Wirtschaft, Handel, Wissenschaft, Kultur, Bildung, Sport ausgebaut und vertieft. Der Chinesische Garten im Duisburger Zoo (s. Fotos), der 1988 von Wuhan geschenkt wurde, symbolisiert seit Jahren die Freundschaft zwischen beiden Partnerstädten. Im Augenblick gibt es 56 deutsche Unternehmen in Wuhan, 90 % davon sind Industrieunternehmen. 2005 betrugen die Gesamtinvesititionen 190 Millionen Euro.



Die Entwicklung der Städtepartnerschaft zwischen Wuhan und Duisburg spiegelt einen Aspekt der Beziehungen zwischen China und Deutschland wider. Unter den gemeisamen Bemühungen der Bevölkerungen aus beiden Ländern trägt die freundschaftliche Zusamenarbeit zwischen China und Deutschland immer neue Früchte. Zurzeit befinden sich die chinesisch-deutschen Beziehungen in der besten Phase ihrer Geschichte. Es herrscht ein reger hochrangiger Besuchsverkehr, die Zusammenarbeit entwickelt sich in allen Bereichen, vertieft sich immer weiter und ist ständig mit großen Erfolgen verbunden. Beide Länder haben weitgehende gemeinsame Interessen in vielen wichtigen internationalen Fragen und pflegen deshalb eine enge und gute Kooperation in den internationalen Angelegenheiten. Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen erfreuen sich eines kräftigen Wachstumstrends. Seit Jahren bleibt Deutschland der größte Handels- und Technologietransferpartner Chinas in Europa, China ist auch der größte Handelspartner Deutschlands in Asien. Laut der Statistik des chinesischen Zollamtes betrug das bilaterale Handelsvolumen 2005 63,25 Milliarden USD, ein Wachstum von 16,9 % im Vergleich zu 2004. Die deutschen Investitionen in China steigen stets an, während die chinesischen Firmen auch angefangen haben, in Deutschland zu investieren und sich zu engagieren. Auch in den Bereichen Wissenschaft und Technik, Bildung, Kultur, Umweltschutz etc. werden die Zusammenarbeit und der Austausch ständig ausgebaut. Die umfassende Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in allen Bereichen weiterhin zu intensivieren und zu entwickeln, entspricht den gemeinsamen Interessen unserer beiden Länder und Völker.



Die Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen zwischen chinesischen Provinzen und deutschen Bundesländern sowie den Städten beider Länder ist ein wichtiger Bestandteil der freundschaftlichen Beziehungen zwischen China und Deutschland. Die chinesische Regierung legt großen Wert darauf und unterstützt nachdrücklich, dass die lokalen Regierungen der chinesischen Provinzen und Städte immer mehr Zusammenarbeit in umfassenden Bereichen mit den deutschen Bundesländern und Städten entwickeln. Zurzeit gibt es bereits 47 Provinz- und Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern.

Die chinesische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland ist gern bereit, bei der Förderung dieser Zusammenarbeit möglichst viel zu helfen. Ich bin davon überzeugt, dass die erste chinesisch-deutsche Städtepartnerschaft zwischen Wuhan und Duisburg im 21. Jahrhundert neue Vitalität gewinnen und eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen spielen wird. Ich wünsche den beiden Städten weiterhin viel Erfolg.


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