Einleitung
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Ein Wirtschaftswachstum 65 Prozent ereichte Thüringen in den letzten 14 Jahren. |
Thüringen hat sich nach der Wende schnell zu einem interessanten Wirtschafts- und Technologiestandort entwickelt. Vor allem zukunftsfähige Branchen wie Optik und Maschinenbau, Biotechnologie und Medizintechnik, Computerherstellung, Rundfunk- und Nachrichtentechnik, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik und der Fahrzeugbau kenn- zeichnen heute das wirtschaftliche Profil der Region. Die Thüringer Landesregierung hat diese Profilierung und damit die Ausrichtung auf forschungs- und technologieintensive Wirtschaftsbereiche von Anfang an unterstützt.
Die Ergebnisse dieser Politik können sich sehen lassen: Mit knapp 65 % erzielte Thüringen innerhalb der letzten 14 Jahre das stärkste Wirtschaftswachstum in Deutschland. Die Produktivität hat sich gegenüber 1991 verdoppelt und erreicht inzwischen fast drei Viertel des deutschen Wertes. Die Anzahl der Industriebeschäftigten stieg seit 1996 um ein Drittel.
Technologische Indikatoren der Thüringer Wirtschaft
Nicht zuletzt sprechen auch die technologischen In-dikatoren eine klare Sprache: Seit 1996 ist im Wir-tschaftssektor ein kontinuierlicher Anstieg der Industrieforschungskapazitäten zu verzeichnen. Im Zeitraum von 1998 bis 2002 stieg die Anzahl der FuE-Beschäftigten um etwa 800 auf etwa 4.500. Die technologische Kompetenz sowohl innovativer Un-ternehmen als auch von Hochschulen und Forschungseinrichtungen hat sich stetig verbessert.Das zeigt sich nicht zuletzt an der Patentbilanz des Freistaats: Die Zahl der Thüringer Patentanmeldungen ist zwischen 1995 und 2003 von 488 auf 831 deutlich gestiegen. Im Ländervergleich konnte Thüringen damit erstmals Sachsen (824 Patentanmeldungen) überholen. Bezogen auf die Bevölkerung erreichte Thüringen im Jahr 2003 insgesamt 35 Anmeldungen je 100.000 Einwohner, fünf mehr als im Vorjahr. Damit liegt Thüringen wiederholt an der Spitze der neuen Länder.
Die Thüringer Landesregierung unterstützt und stärkt die Innovationsfähigkeit der Thüringer Un-ternehmen einerseits durch den Auf- und Ausbau der Forschungsinfrastruktur im Land, andererseits durch eine gezielte Technologieförderung – beispielsweise bei der Entwicklung und Einführung neuer Produktionsverfahren, bei der Vorlaufforschung an außeruniversitären und wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen oder bei gemeinsamen Verbundvorhaben von Unternehmen bzw. Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
Clusterbildung – sinnvolle Strategie für mittelständisch geprägte
Wirtschaft Thüringens
Gerade die Unterstützung solcher Verbundaktivitäten – vor allem in Form von Clustern oder Netzwerken – hat sich in Thüringen als vielversprechend erwiesen. Denn die Wirtschaft im Freistaat ist zum überwiegenden Teil mittelständisch strukturiert: Sie besteht zu weit über 90 Prozent aus kleinen und mittleren Unternehmen; rund 62 Prozent des industriellen Mittelstands verfügt über weniger als 20 Beschäftigte. Nur wenige Thüringer Unternehmen sind deshalb in der Lage, bei der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren alle notwendigen Schritte allein zu gehen. Sie sind aus Kosten-, Zeit- und Effizienzgründen vielmehr gezwungen, mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu kooperieren.
Die Bildung von Clustern – regional und sektoral gewachsenen Verbünden aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleistern – ist eine sinnvolle Strategie zur Bündelung innovativer Unternehmenspotenziale. Die Akteure innerhalb der Cluster stehen zueinander in engen wirtschaftlichen Beziehungen – neben den üblichen Marktbeziehungen des Güter- und Leistungsaustausches kooperieren sie vor allem auch in den Bereichen von Forschung und Entwicklung sowie Aus- und Weiterbildung. Aus solchen Kooperationen erschließen sich damit handfeste Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten außerhalb der Cluster.
Das bestätigen auch Ergebnisse empirischer Untersuchungen. So kam das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) für das Jahr 2000 zu dem Schluss, dass in kooperierenden ostdeutschen Unternehmen der Umsatzanteil mit Marktneuheiten bei über 16 Prozent des Gesamtumsatzes lag. Nicht kooperierende Unternehmen verzeichneten hingegen nur einen Umsatzanteil von gut 4 Prozent. Hierzu gibt es auch Beispiele aus der Thüringer Wirtschaft.
Sieben erfolgreiche Cluster existieren
Sieben primär technologieorientierte Cluster sind hierzulande bereits entstanden:
ein Photonik-Cluster (OptoNet), das Technologie-cluster OphthalmoInnovation Thüringen (OIT/Medizintechnik), das Technologiecluster Automobilzulieferer Thüringen (AZT), Bioinstrumente Jena (BioRegio), das Technologiecluster Mikrotechnik Thüringen (MTT), das Mediencluster Thüringen sowie das Technologiecluster für neue Produkte durch innovative Materialien (InnoMat). Zu ihren Mitgliedern zählen neben Unternehmen auch Fachhochschulen und Universitäten, außeruniversi-täre Forschungseinrichtungen und sonstige Dienst-leister der Regionen sowie Industrie- und Handels-kammern. Je nach Umfang und Zielsetzung sowie Startbeginn sind die Thüringer Cluster unterschied-lich weit entwickelt. Besonders erfolgversprechende Entwicklungen zeigen sich insbesondere bei folgenden Clustern:
• Photonik (OptoNet):
Die Region Jena ist ein weltweit anerkannter Stand-ort für Entwicklungen und Produktionen auf den Gebieten Mikro- und Nano-Optik sowie der Laserphysik. Der OptoNet e. V. als Träger des Clusters vereint als Kompetenznetzwerk sehr erfolgreich derzeit rund 60 Thüringer Wirtschaftsunternehmen, Forschungs- und Bildungsinstitutionen sowie Einrichtungen des Technologietransfers, Kapitalgeber und regionale Institutionen mit dem Ziel, die nationale und internationale Entwicklung auf dem Gebiet der Optischen Technologien aktiv mitzugestalten.
Die Schwerpunkte der Cluster-Akteure liegen unter anderem in den Bereichen Informationsvisualisierung, optische Oberflächen und Schichten, optische Informations- und Messtechnik, aktive optische Fasern und Fasersensoren, Bildverarbeitung, Optik-Systemdesign, optische Präzisionsbearbeitung sowie Lasertechnik und -technologie. Hier hat sich die Thüringer Optik durch herausragende Leistungen einen internationalen Ruf erarbeitet, der sich auch in entsprechenden Anwendungsfeldern widerspiegelt:
Optische und Messsysteme aus Thüringen fliegen heute mit amerikanischen und europäischen Weltraummissionen zum Mars.
Infolgedessen sind die Erwartungen in die Zukunft durchweg positiv:
Bei einer im Jahr 2003 durchgeführten Erhebung in der optischen Industrie Thüringens rechneten 38,6 Prozent der Befragten mit stark steigenden Umsätzen in den nächsten zwei Jahren; weitere 41,4 Prozent erwarteten zumindest leicht steigende Umsätze in diesem Zeitraum und dies bei einem Umsatzanteil aus Exportgeschäften in Höhe von 30–40 Prozent.
Aus dieser positiven Geschäftserwartung resultiert auch ein Nachfragesog auf hochqualifizierte Fachkräfte. Über den altersbedingten Ersatz von Mitarbeitern hinaus beläuft sich der geschätzte Erweiterungsbedarf für die nächsten zwei Jahre inklusive Auszubildenden auf rund 5.800 Beschäftigte.
• OphthalmoInnovation Thüringen
(OIT; Medizintechnik):
Thüringen bietet ausgezeichnete wissenschaftliche, klinische und infrastrukturelle Voraussetzungen für die Forschung, Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten sowie medizinischer Technik. Seit Jahrzehnten sind die innovativen medizinischen Geräte der Augenheilkunde aus der Region Jena weltweit in vielen Kliniken, bei Augenärzten und Optikern zu finden.
Dies ist vor allem das Ergebnis erfolgreicher Zu- sammenarbeit der Kooperationspartner, die in Thü-ringen eine durchgehende Kompetenzkette repräsentieren – von der medizinischen und klinischen Grundlagenforschung über die industrielle Anwen- dungsforschung, Entwicklung und Umsetzung, der klinischen Applikation bis zur gesundheitsökonomischen Evaluierung. Ziel ist es, die Entwick-lung neuer medizinischer Geräte, Methoden und Verfahren zur objektiven Funktionsdiagnostik des Sehens sowie der Lasertherapie für die Augenheilkunde voranzutreiben.
Zu den ca. 20 Mitgliedern des Vereins OphthalmoInnovation Thüringen e. V. – als Träger dieses Clusters – zählen Unternehmen, Hochschulen, For-schungseinrichtungen und weitere Institutionen. Gegen den allgemeinen wirtschaftlichen Trend konnte sich – ebenso wie im Bereich Optik/Photonik – der Gesamtumsatz der größeren Unternehmen des Clusters erhöhen.
• Automobilzulieferer Thüringen (AZT):
An die Unternehmen der Automobilzulieferindus-trie werden von Seiten der Automobilhersteller die allerhöchsten Ansprüche hinsichtlich Funktionalität, Qualität und Rentabilität gestellt. Als Folge des weltweit zunehmend härter werdenden Wettbewerbs sind Unternehmen in dieser Branche nur überlebensfähig, wenn sie mit Hilfe moderns-ter Produktionstechnik und innovativen Produkten und Dienstleistungen am Markt agieren.
Eine Reihe Thüringer Unternehmen konnten sich hier mit Hilfe innovativer Produkte und der Erfüllung höchster Qualitätsansprüche in spezialisierten Märkten erfolgreich positionieren und zählen heute weltweit zu führenden Anbietern, gefragten Entwicklungspartnern und technologischen Vorreitern, bspw. im Bereich Antriebstechnik, Pumpensystemen oder Fahrzeugelektrik.
Der Thüringer Automobil- und Automobilzulieferbereich insgesamt besteht derzeit aus ca. 350 Unternehmen mit insgesamt ca. 35.000 Beschäftigten, die durchschnittliche Exportquote liegt bei rund 70 %. Aktuelle Beschäftigten- und Umsatzzahlen entwickeln sich insgesamt positiv.
Ziel des fast 90 Mitglieder zählenden Clusters ist die Verbesserung der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung. Dabei bilden gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die Entwicklung und Qualifizierung von Lieferantennetzwerken sowie die Qualifikation von Fach- und Führungskräften einige der Schwer-punkte. Träger des Clusters ist der Verein Automobilzulieferer Thüringen e.V.
• Bioinstrumente Jena/Bio Regio:
Das von seiner Thematik her relativ junge Cluster ist durch die feinmechanisch-optische Tradition Jenas und durch die Naturwissenschaften Biologie, Physik und Medizin beeinflusst und steht in enger Verbindung mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Hauptkompetenzfelder sind zelluläre und molekulare Technologien, Individualmedizin und „Drug Targeting“, Biomaterialien, Geräte, Automatisierung/Automatisation, Miniaturisierung und Sensorik. Die „Bioinstrumente“ aus Thüringen – Instrumente aus und für die biologische Forschung – sind inzwischen zu einem Schlüsselelement für die wirtschaftliche Anwendung der Biotechnologie und Gentechnik geworden.
Das Akteursspektrum innerhalb des Netzwer-
kes ist sehr vielfältig. Es reicht von universitären und außeruniversitären Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen über Analyselaboratorienund forschenden Biotechnologieunternehmen zu Kapitalgebern, Unternehmensberatern, Ansiedlungsförderern und sonstigen Dienstleis-tern. Zu den besonderen Stärken der Region gehört neben einem Netzwerk, das aus allen notwendigen Partnern besteht, die enge Verknüpfung der gesamten Innovationskette, von Forschung über Entwicklung und Produktion bis zur Anwendung. So werden
z. B. Analyse-, Synthese- und Testprozesse an den Hochschulinstituten erforscht und gemeinsam von außeruniversitären Einrichtungen mit den Geräteherstellern entwickelt, am Standort von Spin-Offs sowie kleinen und mittleren Unternehmen in Produkte umgesetzt, in Universitätskliniken angewendet und weltweit vertrieben. Damit laufen komplette Innovationsprozesse in der Region ab, die die Ausrichtung der Forschung und Entwicklung auf die Erfordernisse des Marktes sichern.
Ausbau der Forschung, Erweiterung und Verdichtung des Innovationsnetzwerkes, Entwicklung der vorhandenen und Gründung weiterer Unternehmen sowie der Ausbau bestehender Infrastruktur bilden die Schwerpunkte der über 50 kooperierenden Mitglieder, von denen etwa 20 Biotechnologieunternehmen sind.
Über diese bereits erfolgreich etablierten Cluster hinaus existiert eine Vielzahl weiterer Netzwerke und Kooperationen, die sich derzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Ein Beispiel hierfür ist die Photovoltaik-Industrie in Thüringen. In dieser Branche ist die gesamte Wertschöpfungskette durch Unternehmen im Land vertreten. Die rund 20 aktiven Solar-Unternehmen realisieren mit rund 100 Mio. Euro bereits rund 10 Prozent des gesamtdeutschen Umsatzes in diesem Segment. Zwecks Ausbau dieser regionalen „Keimzelle“ haben sich im vergangenen Jahr einige Akteure zusammengeschlossen und mit der Grün-dung des SolarInput e.V. den Grundstein gelegt, um zukünftig gemeinsame Aktivitäten unter einem Dach zu entwickeln und koordinieren. Des Weiteren eröffnete im Mai 2004 das Solarzentrum des CiS Institut für Mikrosensorik gGmbH im Anwen-dungszentrum Mikrosystemtechnik (AZM) in Erfurt.
Clusterförderung als Infrastrukturförderung
Die Landesregierung unterstützt die Clusteraktivitäten beispielsweise durch Begleitung organisatorischer Formierungsprozesse und Unterstützung konkreter Projekte (z. B. im Bereich Forschung und Entwicklung oder Aus- und Weiterbildung), der Bereitstellung geeigneter Infrastrukturen sowie der Förderung von Koordinierungsstellen einzelner Cluster. Zusammen mit der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) unterstützt die Landesregierung die Arbeit der Thüringer Cluster durch eine Teilfinanzierung von Geschäftsstellen. Die Cluster BioInstrumente/Bio Regio, OphthalmoInnovation/ Medizintechnik sowie OptoNet waren bei Wettbewerben des BMBF erfolgreich. Sie werden bzw. wurden auch vom Bund mit entsprechenden Fördermitteln unterstützt.
Clusterbildung erzeugt wirtschaftliche Dynamik
Thüringen hat im Rahmen seiner Clusteraktivitäten die Weichen für wirtschaftlichen Erfolg ge- stellt. Dabei ist die Gründung und inhaltliche Ausgestaltung von Clustern und Netzwerken keine Aufgabe rein staatlicher Planung. Entsprechende Initiativen müssen von den Unternehmen selbst initiiert und getragen werden – dies betrifft in Thüringen das geplante Medienapplikations- und Gründerzentrum Erfurt ebenso wie das Applikationszentrum Präzisionskunststoff in Ostthüring- en oder das Kompetenzzentrum Fahrzeugtechnik in Nordthüringen.
Die Vorteile der Clusterbildung liegen dabei auf der Hand:
Durch die Bündelung der schöpferischen Potenziale Thüringens in den Clustern
• bilden sich überkritische Massen an Forschungs- und Entwicklungskapazitäten, die für die Genese international wettbewerbsfähiger Dienstleistungen und Produkte notwendig sind,
• finden Thüringer Unternehmen innerhalb und außerhalb des Landes leichter Kooperationspartner,
• können sie vielfach Aufgaben bewältigen, die zur Zeit außer der Reichweite einzelner Unternehmen liegen,
• entstehen überregionale Projekte und neue Unternehmen,
• formiert sich ein attraktiver Raum für hochqualifizierte Fachkräfte aus dem In- und Ausland, der interessante Perspektiven für technologiebegeisterte junge Leute aufzeigt,
• wird ein für Abnehmer und Investoren identifizierbarer Wirtschaftsraum geschaffen.
Fazit
Zeitgemäßer Technologie- und Industriepolitik kann es nicht mehr so sehr um das einzelne Unternehmen für sich gehen, vielmehr stehen zu- nehmend Überlegungen zur Industrieregion, zur Strukturbildung mit dem Ziel der Nutzung von Synergien im Vordergrund:
Durch Clusterbildungen ist eine zusätzliche wirtschaftliche Dynamik zu erwarten. Derselbe Grund-gedanke übrigens auch den Zuschnitt der einzelbetrieblichen Technologieförderung in Thüringen, die stärker als früher auf die Unterstützung von Kooperationen aus Unternehmen und wirtschafts-nahen Forschungseinrichtungen sowie vertikale
Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette ausgerichtet ist.
















