Bernd Clemens

Der Autor wurde 1949 in Solingen geboren. Er trat 1966 in den Dienst der Stadt Solingen ein, absolvierte das Bergische Studieninsti- tut für kommunale Verwaltung – die heutige Fachhochschule für öffentliche Verwaltung – und durchlief verschiedene Stationen in der Stadtverwaltung. Er arbeitet bereits seit mehreren Jahren in der Wirtschaftsförderung und ist seit 1999 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Solingen GmbH & Co. KG und gleichzeitig Geschäftsführer der Gründer- und Technologiezentrum Solingen GmbH.

Gewerbegebiete



Das Gründer- und Technologiezentrum Solingen GmbH.

Die zentrale Lage Solingens zwischen Ruhrgebiet und Rheinschiene und im europäischen Maßstab im Schnittpunkt der bedeutenden Wachstumsachsen bilden das Potenzial für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung. Über die Autobahnen A 1, A 3 und A 46 können die Städte Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet innerhalb kürzester Zeit erreicht werden. Durch die Einbeziehung in das europäische Hochgeschwindigkeitsschienennetz sind die Metropolen Deutschlands, der Beneluxstaaten und Frankreichs nur wenige Stunden entfernt. Über die nahegelegenen Flughäfen in Köln-Bonn und Düsseldorf ist Solingen hervorragend an den internationalen Luftverkehr angebunden. Solingen liegt gemeinsam mit Remscheid und Wuppertal in einer der ältesten Handwerks- und Industrieregionen Europas, die schon vor über 600 Jahren arbeitsteilig organisiert waren. Heute ist die Betriebsstruktur im verarbeitenden Gewerbe noch überwiegend mittelständisch und geprägt von einem hohen Ausbildungsgrad der Beschäftigten. Schon im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit gründete sich der Ruf der Stadt auf Schwerter- und Degenklingen mit der Herkunftsbezeichnung „Me fecit Solingen“. Die Gegenwart ist weniger martialisch – Messer und Gabeln haben Schwert und Säbeln den Rang abgelaufen,

heute werden in Solingen unter anderem

Autofelgen, Fahrzeugzubehör, Maschinenbauprodukte, Galvanoanlagen, hochwertige Herrenkonfektionen, Schirme, Gummibärchen oder Pflanzensämereien produziert. Die Solinger Wirtschaftsstruktur hat sich in den letzten Jahren gewandelt; die Schneidwarenindustrie hat nicht mehr die Bedeutung wie noch in den 50iger Jahren, aber noch sind über drei Viertel der deutschen Unternehmen der Besteckbranche in Solingen ansässig.




Clemens-Galerien in der Innenstadt.

 

Typisch für Solingen ist das aus seiner Wirtschaftsgeschichte entstandene enge Nebeneinander zwischen Wohn- und Arbeitsstätten und eine gewachsene Akzeptanz der Bevölkerung für die Belange des verarbeitenden Gewerbes.




Gewerbegebiet „Dycker Feld“im Stadtteil Solingen-Gräfrath.

 

In Solingen hat die Dominanz der industriellen Basis durch die – auch in anderen Industrieregionen zu beobachtende – zunehmende Terzialisierung der Wirtschaft abgenommen. Dennoch wird die Industrie auch zukünftig das wichtigste Potential für die wirtschaftliche Entwicklung darstellen, immerhin sind im verarbeitenden Gewerbe noch fast die Hälfte aller Erwerbstätigen beschäftigt. Die traditionell kleinteilige Solinger Industriestruktur, die verbunden ist mit

einer hohen Aufgeschlossenheit der Solinger Bevölkerung für die Anforderung der Industriearbeit, verfügt über eine tief gestaffelte Zuliefer- industrie. Die räumliche Konzentration von Kunden und Lieferanten verschiedener Branchen des verarbeitenden Gewerbes fördert die Leistungsfähigkeit und Spezialisierung der Unternehmen. Durch die direkte räumliche ar-beitsteilige Verflechtung steht in Solingen ein gut ausgebildetes Potential von qualifizierten Arbeitskräften zur Verfügung, das eine wichtige Grundlage für die Innovationsfähigkeit bildet. Die Arbeitslosenquote hat aufgrund der konjunkturellen und strukturellen Lage der Solinger Wirtschaft in den vergangenen Jahren leicht zugenommen, liegt aber mit 7,6 % im November 2000 noch deutlich unterhalb des Landes- und Bundesdurchschnitts.




Gewerbepark „Heiligenstock“ im Stadtteil Solingen-Ohligs.

 

Die kleinbetriebliche Struktur stellt eines der Hauptmerkmale des verarbeitenden Gewerbes in Solingen dar. Über 70 % der Unternehmen beschäftigen weniger als 20 Arbeitnehmer, die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei 25 Beschäftigten (NRW 66 Beschäftigte), wobei vor

allem das Handwerk eine starke Stellung

einnimmt.




IC-Bahnhof und S-Bahn-Haltepunkt Solingen-Ohligs.

 

Aus dieser Struktur ergeben sich Chancen und Risiken im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung, denn dem hohen Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bezüglich neuer Anforderungen steht teilweise eine unzureichende Finanzkraft und damit verbunden auch geringere Chancen, technologische Innovationen einzuführen, gegenüber. Nahezu alle bedeutenden Branchen der Solinger Industrie mussten in den vergangenen Jahren Beschäftigungsrückgänge verzeichnen, besonders die Wirtschaftszweige Gießerei, Gesenkschmieden, Maschinenbau und die EBM-Industrie waren von dieser Entwicklung betroffen.




Rheinisches Industriemuseum (vormals Gesenkschmiede Hendrichs) mit Industriegebiet Scheuren (Luftaufnahme).

 

Die traditionsreiche Hauptbranche, die Besteck- und Schneidwarenindustrie, ist vor allem im unteren und mittleren Preissegment durch Konkurrenz aus den Billiglohnländern unter Druck geraten, konnte aber durch die Fokussierung auf qualitativ hochwertige Produkte ihre starke Position auf dem Gesamtmarkt behaupten. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass in den letzten Jahren die Investition für Verfahrensinnovationen stark zugenommen haben.




Industrie- und Gewerbegebiet „Scheuren“ im Stadtteil Solingen-Merscheid.

 

Der terziäre Sektor hat sich in Solingen in

der Vergangenheit im Vergleich zur Entwicklung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen schwächer entwickelt und konnte die Beschäftigungsrücklage des verarbeitenden Gewerbes nicht völlig auffangen. Stärkere Zuwächse bei den Dienstleistungen konnten in den Bereichen Verkehr und Nachrichtenübermittlung und bei den produktionsorientierten Dienstleistungen erzielt werden. Vor allem die Dienstleistungen mit einem höheren Technologiegehalt (Ingenieurleistungen, Entwicklungsleistungen) haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt.

Solingen hat aufgrund der geomorphologischen Situation und der gewachsenen Gemengelage nur ein begrenztes Potenzial an größeren und neu zu erschließenden Gewerbeflächen. Einzelne Gewerbebrachen können aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung in der Regel nur für nicht störende gewerbliche Zwecke genutzt werden und ihre Revitalisierung verursacht meist hohe Kosten.

Dennoch gelingt es der kommunalen Wirtschaftsförderung vielfach, die Ansiedlungswünsche der Unternehmen zu erfüllen. So konnten allein in den letzten zwei Jahren durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft über 12 ha Grundstücksflächen für Erweiterung und Neuansiedlungen zur Verfügung gestellt werden.

Wichtige Projekte in den kommenden Jahren werden zum einen die Neugestaltung größerer ehemals von der Bahn genutzten Brachflächen am Hauptbahnhof sein. Dort soll auf einer Fläche von 10 ha ein innenstadtnahes und

attraktives Dienstleistungs- und Gewerbezentrum entstehen. Zum anderen kommt der Ausweisung und Entwicklung neuer verkehrsgüns- tig gelegener Gewerbegebiete ganz besondere Bedeutung zu. Insgesamt ist derzeit geplant, in den kommenden Jahren vorrangig in drei neuen Gewerbegebieten rd. 40 ha Nettobaufläche auszuweisen. Ziel bei der Entwicklung dieser Gewerbegebiete ist eine möglichst hohe Beschäftigtendichte und eine auf innovative Branchen zielendes Standortmarketing.

Dabei kommt dem Gewerbe- und Technologiepark „Piepersberg“ mit etwa 20 ha Nettobaufläche im ersten Abschnitt eine besondere Bedeutung zu. Mit unmittelbarer Anbindung an die A 46, eingebettet in ein grünes ökologisch gesundes Umfeld mit natürlichem Bachlauf, liegt das Gebiet am Rande des historischen Stadtteiles Solingen-Gräfrath mit seinen vielfältigen Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Das Deutsche Klingenmuseum und das Kunstmuseum Baden bilden gemeinsam mit der rund um den historischen Marktplatz gelegenen innovativen Gastronomie und Hotellerie die örtlich qualitative Ergänzung zu den in der Gesamtstadt vorhandenen vielfältigen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, Kulturangeboten mit Theater und Orchester und attraktiven

Einkaufsmöglichkeiten.


 

Der „Piepersberg“ bietet mit den uneingeschränkten Anschlussmöglichkeiten an Informations- und Telekommunikationsnetze beste

Standortvoraussetzungen für zukunftsorientierte Unternehmen aus allen Bereichen von Telekom- munikation, Informationstechnologie, Medien, Elektronik und anderen mehr. Nahegelegene Wohnbereiche mit hochwertigen Lagen schaffen kurze Wege zwischen Wohnen und Arbeiten, unterstützen auf diese Weise die Sicherung einer hochqualifizierten Mitarbeiterschaft.


 

Die Neugestaltung der ehemals von der Eisenbahn genutzten Brachflächen am Solinger Hauptbahnhof ist ein weiteres aktuelles Beispiel für die Unterstützung des strukturellen Wandels in Solingen. Dort wird auf einer Fläche von rd. 40 ha ein innenstadtnahes attraktives Dienstleistungs- und Gewerbezentrum entstehen. Unter Einbeziehung des denkmalgeschützten ehemaligen Hauptbahnhofgebäudes entstehen hier in enger räumlicher Anbindung an das Gründer- und Technologiezentrum Ansiedlungsmöglichkeiten für innovative Unternehmen mit den beispielhaften Schwerpunkten

Design und Medien.


 

Unternehmen innovativer Branchen finden in der Klingenstadt Solingen einen zukunftsträchtigen Standort mit weltweit bekanntem Qualitätsbegriff, ausreichendem Flächenangebot, einer unternehmerfreundlichen Kommunalverwaltung und hochwertigen Kultur-, Wohn- und Freizeitangeboten.


Unternehmensbeiträge:

Bayer Industriepark Brunsbüttel – Erfolg durch Synergie
Der Landkreis Rottal-Inn – Eine starke Region!
Wohnen und Arbeiten im Hafen Offenbach
Nordostpark Nürnberg – Hightech-Campus mit Flair
Städtebund Inn-Salzach – Anspruchsvoll, authentisch, anders!

Autorenbeiträge:

Der TechnologiePark in Paderborn - Keimzelle vieler neuer Firmen mit guten Zukunftsaussichten
Bayer - Krefelds größter Arbeitgeber, Ausbilder und Investor
Die Entwicklungsachse Coburg - Rödental - Neustadt b. Coburg - Sonneberg
Regionale 2006 – Strukturimpuls für das Bergische Städtedreieck
Jeder baut seine Stärken aus – Ausschreibung von Gewerbegebieten