Joerg Weber

Der Autor absolvierte eine Ausbildung zum Bank­­­­­­­­kauf­mann und arbeitete als Banker. Nach seinem Ab­­­­­­­schluss zum Be­­triebs­­­­wirt gründete er 1996 die inm – numerical magic Gesell­schaft für neue Medien mbH, deren Ge­­schäfts­füh­­rer er bis 1999 war. 2002 grün­de­te er Joerg Weber Net­working. 2005 überführte er diese in die Weber Net­­working GmbH und beteiligte sich an der Lyonia Betei­ligungs­­gesellschaft mbH.

Impulse der Kreativwirtschaft auf den Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main




Entwicklungen für die Games-Industrie.
© games academy frankfurt

Schon seit Längerem ist bekannt, dass Frankfurt mehr ist als nur eine Banken- und Finanzmetropole, sondern dass es andere Wirtschaftsbereiche gibt, die stark im Wachsen begriffen sind und von denen Frankfurt insgesamt profitiert. So erfährt gegenwärtig der Be­­reich der Logistik, den man sicher als eine der Zukunftsbranchen bezeichnen kann, mit dem geplanten „House of Lo­­­gistics“ eine größere Bedeutung hier am Standort.

 

Vor allem aber auch die Kreativwirt­schaft, die vielfältige Branchen umfasst und die im Zuge der heutigen Entwick­lungen Impulse gibt und auf andere Bereiche ausstrahlt, wächst weiter. Durch den ersten Kreativwirt­schafts­bericht der Stadt Frankfurt wird deutlich, wie groß dieser Sektor überhaupt ist und wie viele Menschen hier arbeiten.

 

Nach diesem Bericht sind in der Kre­­a­tivbranche derzeit mindestens 30.000 Menschen in sozialversicherungspflich­­tigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt und dazu noch einmal circa 27.000 als Selbstständige oder Freelancer. Somit kön­­nen wir in Frankfurt von knapp 60.000 Menschen ausgehen, die in der Krea­tiv­wirtschaft arbeiten. Allein schon diese Zahl lässt aufhorchen, denn damit kommt die Krea­­tivbranche den Beschäftigten in der Finanzwirtschaft doch schon sehr nahe.

 

Hinter dem Begriff Kreativwirtschaft ver­­bergen sich verschiedene Branchenfel­der, wie Werbung, PR und Kommunika­tion; Software und Games, Film, TV- und Videowirtschaft, Musik- und Audiowirt­schaft, Literatur, Buch- und Presse­markt, Architektur und Design, darstellende und bildende Künste, Museen, Kunstaus­stel­lungen und Kunstmarkt oder auch kulturelles Erbe.

 




© Conny Peil, MedienMittwoch

Rechnet man hier auch noch die IT- und Telekommunikationsbranche mit ein, so sind die Arbeitsplatzeffekte noch weitaus höher.


Der Vergleich mit anderen deutschen Großstädten zeigt, dass Frankfurts Po­­sition in der Kreativwirtschaft differenziert zu beurteilen ist. Besonders stark ist die Stadt vor allem in den Bereichen Werbung, PR und Kommunikation so­­wie im Bereich Software und Games. Besonders die starke Position der Wer­bebranche, de­­ren Bedeutung in Frank­furt im Ver­gleich zu anderen Städten bereits seit den spä­­ten sechziger Jahren besonders hoch ist, trug in den vergan­genen Jahren einen entschei­­denden An­­teil an der Bedeu­tung der Kre­ativ­bran­che insgesamt. Dies gilt, obwohl insbe­­sondere in den Jahren 2001 bis 2003 viele Arbeitsplätze verloren gingen, deren Anzahl jedoch mittlerweile wieder etwas angestiegen ist.

 

Gerade in den letzten Jahren haben sich aber auch andere, stark wachsende Be­­reiche herausgebildet, beispielsweise die Postproduktions- oder Gamesbran­che. Letztere gehört derzeit zu den am stärksten wachsenden Branchen der Kre­­ativwirtschaft, so dass hier auch zu­­künf­­tig mit weiteren Jobs zu rechnen ist. Davon kann Frankfurt im Besonderen profitieren, allerdings nur dann, wenn die Politik und andere handelnde Akteure diese Chance erkennen und den Auf­bau eines umfassenden Games­clus­ters in Frankfurt und der Region unterstützen. Dazu bedarf es Zeit, Mut und Geld. Ein der­­artiges Cluster wird sich aber langfristig sehr positiv auswirken.

 

Auch die Postproduktionsunternehmen in Frankfurt, die seit Anfang der neunziger Jahre entstanden sind und immer noch moderat wachsen, haben ein enor­­mes Potenzial. Sie haben dazu beigetra­gen, dass auch ihre Kunden, die Wer­be­agen­turen oder Filmproduktio­nen, keine weiten We­­ge in Kauf nehmen müssen, um Quali­tät zu erhalten, sondern direkt in Frank­furt ihre Werbetrailer und Filme end­­produzieren können.

 




Foto: Deck13
Foto: Crytek

So kann man feststellen, dass die Krea­­tivbranche hier am Standort eine vollständige Wertschöpfungskette abdeckt und auch immer öfter Kooperationen zwischen Unternehmen aus Frankfurt stattfinden.


Dies ist auch sinnvoll für die Unterneh­men der Finanz-, Logistik- oder Han­dels­­branchen, die, um ihre teils sehr um­­fangreichen Werbeetats umzusetzen, im Prinzip nicht bis nach Hamburg oder Berlin oder gar ins Ausland gehen müs­­sen, sondern alles hier vor Ort erledigen können. Für die Kreativbranche ist Frankfurt damit ein guter Ort, um Ge­­schäfte zu machen: Hier befindet sich  doch eine große Anzahl von mittleren und großen, weltweit agierenden Un­­ter­­nehmen, für die man seine Leistungen erbringen kann.

 

Betrachtet man die Kreativbranche oder Creative Industries, wie sie heute ge­­nannt wird, etwas allgemeiner, so hat Frankfurt alles, was für diese Branche wichtig ist. Auf den amerikanischen Wirt­­schaftsforscher Richard Florida gehen die berühmten drei „T“ zurück, die den Kreativsektor kennzeichnen: Talent, Tech­­nologie und Toleranz.

 

Dies bedeutet, dass eine Stadt Anzie­hungspunkt für gut ausgebildete Men­schen in neuen, innovativen Technolo­gien, aber auch in Medien, Werbung, Mode und Kultur ist. Frankfurt muss sich also auch weiterhin international als ein starker Standort für Zukunfts­techno­lo­gien etablieren. Existenzgrün­der auf all diesen Gebieten müssen viel­­fältige Hilfe erhalten und ihnen sollte seitens der Stadt und ihrer Repräsen­tan­ten offen und neugierig begegnet werden. Letzt­lich muss eine Stadt, die den drei „T“ ent­­spricht, eine internatio­nal und kultu­rell gemischte, offene At­­mosphäre bieten.

 

Frankfurt hat auf diesen Feldern viel zu bieten, wenn auch weiterhin ein großes Maß an Anstrengung erforderlich ist. Jobs in Hightech- und innovativen Tech­­nologien sind in Frankfurt und der Re­­gion vorhanden, müssen aber immer weiter evaluiert und am Bedarf ausgebaut werden. Hochschulen wie die Jo­­hann Wolfgang Goethe-Universität, die Hochschule für Gestaltung in Offenbach oder die Frankfurter Städelschule bieten bereits heute beste Ausbildungs­möglichkeiten, insbesondere auch im kreativen Bereich und der Kunst.

 




The view – die Aussicht
(creation: fischerappelt kommunikation gmbh).
Frankfurt am Main – „smart living“, Postkartenaktion der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH.


Un­­ter­­stützt werden diese staatlichen Hoch­schulen durch private Aus­bil­dungs­stätten. So wurde erst kürzlich in Frank­­furt die „European School of Design“ ge­­gründet oder die erste Niederlassung der Berliner „Games Aca­demy“ aufgebaut. Fehlt eigentlich nur noch eine Tex­­ter­schu­le, um auch hier junge Ta­­len­te für die hiesige Branche auszubilden.


Wenn Werbeagenturen immer wieder be­­mängeln, dass sie nicht genügend jun­­ge, kreative Menschen für ihre Un­­ter­neh­men in Frankfurt gewinnen können, dann liegt dies auch daran, dass Frank­­furt – bei allem Erfolg – nach außen noch immer nicht das Vorurteil, langwei­­lig und hässlich zu sein, ablegen konnte. Frank­­­furt schadet hierbei sein Image als Stadt der Zahlen und Finanz­metro­pole, das eben nicht für kreative und schöpferische Vielfalt spricht. Dies liegt aber auch daran, dass das of­­fizielle Kul­­tur­leben noch immer zu wenig „Off-Plät­­ze“ be­­reit­hält. So kämpfte zum Beispiel das Ate­­lier­­Frankfurt, als frei fi­­­nan­zier­tes Künst­­lerhaus, das neben 40 Ateliers für Künst­ler auch internationale Aus­stel­lun­gen bietet, seit seiner Gründung ständig ums Überleben – in Berlin, Paris oder Lon­­don undenkbar. Erst seit Som­­mer 2008 gibt es hier eine ge­­wisse Sicher­­­­­heit, da sich ein privates Unter­nehmen diesem Haus als Spon­­sor und Unterstützer an­­genommen hat.


Die kreative Klasse möchte Neues entdecken, möchte die Vielfalt dieser Stadt rund um die Uhr und in all ihren Fa­­cet­ten spüren und leben. Gelingt dies, wird es vielfache Berührungspunkte zu den anderen Branchen geben und erneut Kreative anziehen.

 




Big Äppelwoi
(creation: publicis frankfurt).

Veranstaltungen wie der im Jahr 2008 bereits zum siebten Mal stattgefundene „vdw-award“, ein erfolgreiches Film­fest wie „Nippon Connection“, kontinuier­­liche Veranstaltungsreihen wie der „m2 MedienMittwoch“, mit bisher über 70 Veranstaltungen, oder GAME­places sind Aushängeschilder für diese Stadt. Sie werden auch außerhalb der Region wahr­­genommen, haben einen ho­­hen Werbe­­effekt und helfen Frank­furt, sich bun­des­weit ins Bewusstsein zu rücken. Denn diese Veranstaltungen, die im We­­sent­lichen der Information, der Ver­net­zung und dem Austausch der Branchen und ihrer Mitarbeiter dienen und nicht mit Gewinnerzielungs­absicht, sondern aus Interesse zur Stadt initiiert wurden, sind von ihrer Aus­rich­tung her automatisch Marketing­maß­nahmen für Frank­furt und die Region. Darüber hinaus gibt es neben Hamburg nur in Frank­­furt-Rhein-Main eine eigene Standort­ini­tia­tive für die Games­branche. Die game­­area-FRM hat innerhalb eines Jahres dazu beigetra­­gen, das Bewusst­sein in Sachen Games bei Po­­litikern und Interes­­sierten grundlegend zu verändern, und kann heute bereits knapp 60 Unter­neh­­men als Un­­terstüt­zer zählen.


Bleibt zu hoffen, dass all diese Initia­ti­ven und Unternehmungen auch weiterhin wachsen und so Stück für Stück das Außenbild von Frankfurt positiv verändern helfen. An Impulsen aus diesen kre­­ativen Branchen auf die Stadt und die hier an­­sässigen Unternehmen fehlt es nicht, gefragt ist vielmehr, ob das, was aus der Kreativbranche an Ideen kommt, auch angenommen und umgesetzt wird. Dann wäre Frankfurt mehr als eine „Fi­­nanzmetropole“, nämlich die bun­­des­deutsche Großstadt, in der das Geld und die Ideen Hand in Hand zusammenwirken und damit die Prosperität der Stadt und des Landes bestimmen.

 


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