Impulse der Kreativwirtschaft auf den Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main
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Entwicklungen für die Games-Industrie. © games academy frankfurt |
Schon seit Längerem ist bekannt, dass Frankfurt mehr ist als nur eine Banken- und Finanzmetropole, sondern dass es andere Wirtschaftsbereiche gibt, die stark im Wachsen begriffen sind und von denen Frankfurt insgesamt profitiert. So erfährt gegenwärtig der Bereich der Logistik, den man sicher als eine der Zukunftsbranchen bezeichnen kann, mit dem geplanten „House of Logistics“ eine größere Bedeutung hier am Standort.
Vor allem aber auch die Kreativwirtschaft, die vielfältige Branchen umfasst und die im Zuge der heutigen Entwicklungen Impulse gibt und auf andere Bereiche ausstrahlt, wächst weiter. Durch den ersten Kreativwirtschaftsbericht der Stadt Frankfurt wird deutlich, wie groß dieser Sektor überhaupt ist und wie viele Menschen hier arbeiten.
Nach diesem Bericht sind in der Kreativbranche derzeit mindestens 30.000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt und dazu noch einmal circa 27.000 als Selbstständige oder Freelancer. Somit können wir in Frankfurt von knapp 60.000 Menschen ausgehen, die in der Kreativwirtschaft arbeiten. Allein schon diese Zahl lässt aufhorchen, denn damit kommt die Kreativbranche den Beschäftigten in der Finanzwirtschaft doch schon sehr nahe.
Hinter dem Begriff Kreativwirtschaft verbergen sich verschiedene Branchenfelder, wie Werbung, PR und Kommunikation; Software und Games, Film, TV- und Videowirtschaft, Musik- und Audiowirtschaft, Literatur, Buch- und Pressemarkt, Architektur und Design, darstellende und bildende Künste, Museen, Kunstausstellungen und Kunstmarkt oder auch kulturelles Erbe.
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© Conny Peil, MedienMittwoch |
Rechnet man hier auch noch die IT- und Telekommunikationsbranche mit ein, so sind die Arbeitsplatzeffekte noch weitaus höher.
Der Vergleich mit anderen deutschen Großstädten zeigt, dass Frankfurts Position in der Kreativwirtschaft differenziert zu beurteilen ist. Besonders stark ist die Stadt vor allem in den Bereichen Werbung, PR und Kommunikation sowie im Bereich Software und Games. Besonders die starke Position der Werbebranche, deren Bedeutung in Frankfurt im Vergleich zu anderen Städten bereits seit den späten sechziger Jahren besonders hoch ist, trug in den vergangenen Jahren einen entscheidenden Anteil an der Bedeutung der Kreativbranche insgesamt. Dies gilt, obwohl insbesondere in den Jahren 2001 bis 2003 viele Arbeitsplätze verloren gingen, deren Anzahl jedoch mittlerweile wieder etwas angestiegen ist.
Gerade in den letzten Jahren haben sich aber auch andere, stark wachsende Bereiche herausgebildet, beispielsweise die Postproduktions- oder Gamesbranche. Letztere gehört derzeit zu den am stärksten wachsenden Branchen der Kreativwirtschaft, so dass hier auch zukünftig mit weiteren Jobs zu rechnen ist. Davon kann Frankfurt im Besonderen profitieren, allerdings nur dann, wenn die Politik und andere handelnde Akteure diese Chance erkennen und den Aufbau eines umfassenden Gamesclusters in Frankfurt und der Region unterstützen. Dazu bedarf es Zeit, Mut und Geld. Ein derartiges Cluster wird sich aber langfristig sehr positiv auswirken.
Auch die Postproduktionsunternehmen in Frankfurt, die seit Anfang der neunziger Jahre entstanden sind und immer noch moderat wachsen, haben ein enormes Potenzial. Sie haben dazu beigetragen, dass auch ihre Kunden, die Werbeagenturen oder Filmproduktionen, keine weiten Wege in Kauf nehmen müssen, um Qualität zu erhalten, sondern direkt in Frankfurt ihre Werbetrailer und Filme endproduzieren können.
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Foto: Deck13 Foto: Crytek |
So kann man feststellen, dass die Kreativbranche hier am Standort eine vollständige Wertschöpfungskette abdeckt und auch immer öfter Kooperationen zwischen Unternehmen aus Frankfurt stattfinden.
Dies ist auch sinnvoll für die Unternehmen der Finanz-, Logistik- oder Handelsbranchen, die, um ihre teils sehr umfangreichen Werbeetats umzusetzen, im Prinzip nicht bis nach Hamburg oder Berlin oder gar ins Ausland gehen müssen, sondern alles hier vor Ort erledigen können. Für die Kreativbranche ist Frankfurt damit ein guter Ort, um Geschäfte zu machen: Hier befindet sich doch eine große Anzahl von mittleren und großen, weltweit agierenden Unternehmen, für die man seine Leistungen erbringen kann.
Betrachtet man die Kreativbranche oder Creative Industries, wie sie heute genannt wird, etwas allgemeiner, so hat Frankfurt alles, was für diese Branche wichtig ist. Auf den amerikanischen Wirtschaftsforscher Richard Florida gehen die berühmten drei „T“ zurück, die den Kreativsektor kennzeichnen: Talent, Technologie und Toleranz.
Dies bedeutet, dass eine Stadt Anziehungspunkt für gut ausgebildete Menschen in neuen, innovativen Technologien, aber auch in Medien, Werbung, Mode und Kultur ist. Frankfurt muss sich also auch weiterhin international als ein starker Standort für Zukunftstechnologien etablieren. Existenzgründer auf all diesen Gebieten müssen vielfältige Hilfe erhalten und ihnen sollte seitens der Stadt und ihrer Repräsentanten offen und neugierig begegnet werden. Letztlich muss eine Stadt, die den drei „T“ entspricht, eine international und kulturell gemischte, offene Atmosphäre bieten.
Frankfurt hat auf diesen Feldern viel zu bieten, wenn auch weiterhin ein großes Maß an Anstrengung erforderlich ist. Jobs in Hightech- und innovativen Technologien sind in Frankfurt und der Region vorhanden, müssen aber immer weiter evaluiert und am Bedarf ausgebaut werden. Hochschulen wie die Johann Wolfgang Goethe-Universität, die Hochschule für Gestaltung in Offenbach oder die Frankfurter Städelschule bieten bereits heute beste Ausbildungsmöglichkeiten, insbesondere auch im kreativen Bereich und der Kunst.
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The view – die Aussicht (creation: fischerappelt kommunikation gmbh). Frankfurt am Main – „smart living“, Postkartenaktion der Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH. |
Unterstützt werden diese staatlichen Hochschulen durch private Ausbildungsstätten. So wurde erst kürzlich in Frankfurt die „European School of Design“ gegründet oder die erste Niederlassung der Berliner „Games Academy“ aufgebaut. Fehlt eigentlich nur noch eine Texterschule, um auch hier junge Talente für die hiesige Branche auszubilden.
Wenn Werbeagenturen immer wieder bemängeln, dass sie nicht genügend junge, kreative Menschen für ihre Unternehmen in Frankfurt gewinnen können, dann liegt dies auch daran, dass Frankfurt – bei allem Erfolg – nach außen noch immer nicht das Vorurteil, langweilig und hässlich zu sein, ablegen konnte. Frankfurt schadet hierbei sein Image als Stadt der Zahlen und Finanzmetropole, das eben nicht für kreative und schöpferische Vielfalt spricht. Dies liegt aber auch daran, dass das offizielle Kulturleben noch immer zu wenig „Off-Plätze“ bereithält. So kämpfte zum Beispiel das AtelierFrankfurt, als frei finanziertes Künstlerhaus, das neben 40 Ateliers für Künstler auch internationale Ausstellungen bietet, seit seiner Gründung ständig ums Überleben – in Berlin, Paris oder London undenkbar. Erst seit Sommer 2008 gibt es hier eine gewisse Sicherheit, da sich ein privates Unternehmen diesem Haus als Sponsor und Unterstützer angenommen hat.
Die kreative Klasse möchte Neues entdecken, möchte die Vielfalt dieser Stadt rund um die Uhr und in all ihren Facetten spüren und leben. Gelingt dies, wird es vielfache Berührungspunkte zu den anderen Branchen geben und erneut Kreative anziehen.
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Big Äppelwoi (creation: publicis frankfurt). |
Veranstaltungen wie der im Jahr 2008 bereits zum siebten Mal stattgefundene „vdw-award“, ein erfolgreiches Filmfest wie „Nippon Connection“, kontinuierliche Veranstaltungsreihen wie der „m2 MedienMittwoch“, mit bisher über 70 Veranstaltungen, oder GAMEplaces sind Aushängeschilder für diese Stadt. Sie werden auch außerhalb der Region wahrgenommen, haben einen hohen Werbeeffekt und helfen Frankfurt, sich bundesweit ins Bewusstsein zu rücken. Denn diese Veranstaltungen, die im Wesentlichen der Information, der Vernetzung und dem Austausch der Branchen und ihrer Mitarbeiter dienen und nicht mit Gewinnerzielungsabsicht, sondern aus Interesse zur Stadt initiiert wurden, sind von ihrer Ausrichtung her automatisch Marketingmaßnahmen für Frankfurt und die Region. Darüber hinaus gibt es neben Hamburg nur in Frankfurt-Rhein-Main eine eigene Standortinitiative für die Gamesbranche. Die gamearea-FRM hat innerhalb eines Jahres dazu beigetragen, das Bewusstsein in Sachen Games bei Politikern und Interessierten grundlegend zu verändern, und kann heute bereits knapp 60 Unternehmen als Unterstützer zählen.
Bleibt zu hoffen, dass all diese Initiativen und Unternehmungen auch weiterhin wachsen und so Stück für Stück das Außenbild von Frankfurt positiv verändern helfen. An Impulsen aus diesen kreativen Branchen auf die Stadt und die hier ansässigen Unternehmen fehlt es nicht, gefragt ist vielmehr, ob das, was aus der Kreativbranche an Ideen kommt, auch angenommen und umgesetzt wird. Dann wäre Frankfurt mehr als eine „Finanzmetropole“, nämlich die bundesdeutsche Großstadt, in der das Geld und die Ideen Hand in Hand zusammenwirken und damit die Prosperität der Stadt und des Landes bestimmen.





















