Klaus-Jürgen Orth

Der 1959 geborene Autor ist Gesell­schaf­­ter und Managing Director der ancotel GmbH und dort für die Bereiche Busi­ness Development, Kom­­munikation, Cor­­porate Identity und Hu­­man Resour­ces zuständig. Klaus-Jürgen Orth gründete ancotel 1999 gemeinsam mit Udo Müller, ebenfalls Managing Direc­­tor des Unternehmens, das den größten Tele­kommunikations- und Datenknoten in Kontinentaleuropa betreibt.

Frankfurt als zentrales Daten-Drehkreuz

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Es ist unbestreitbar: Frankfurt am Main ist Deutschlands Telekommunika­tions­hauptstadt. Die Mainmetropole beheimatet den größten und bedeutendsten Telekommunikations- und Datenknoten in Kontinentaleuropa – ancotel betreibt ihn im Telehaus in der Kleyerstraße 90. Und der DE-CIX, der deutsche In­­ter­net-Exchange in Frankfurt, ist der zweitgrößte Internetknotenpunkt auf der Welt.

Schon 1880 war Frankfurt zu­­sammen mit Berlin die erste deutsche Stadt mit telefonischer Kommunikation – und da­­mit eine der ganz wenigen Metropolen Europas mit Telefonie. Am 1. Juli 1881 nahm in Frankfurt die „te­­lephonische Centralverkehrsanstalt“ ihren Betrieb auf. 179 Teilnehmer waren es zu Be­­ginn. Einer der ersten damals, mit der Rufnummer # 29: die Frank­furter So­­zietätsdruckerei. 1899 hatte dann der Frankfurter Unternehmer Harry Fuld seine Geschäftsidee: Er gründete die „Deutsche Privat-Telephon-Gesell­schaft H. Fuld & Co“; 1907 zog er mit seiner Firma von der Innenstadt ins Gallus­vier­­tel. Seine ursprüngliche Idee war es, Haustelefone mit Wartungs­ga­rantie an Firmen zu vermieten. Kurze Zeit später baute er auch selbst Tele­fon-Apparate und gelangte schließlich als „T & N Telephonbau und Nor­mal­zeit“ zu Weltruhm.
Um 1910 zählte das Frankfurter Tele­fon­netz bereits über 13.000 Teil­neh­mer – die Basis für den weiteren wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt. Gebühren gab es damals noch keine, man schloss einen zwei- bis vier­­jährigen Vertrag und zahlte so etwas wie ein „Set-up-Fee“ von 200 Reich­s­mark.




Gut vernetzt über „Kleyer 90“.



Mehr als 330 Carrier und Provider haben bei ancotel eine physische beziehungsweise virtuelle Präsenz.

Zu den Meilensteinen in der Nach­kriegs­­zeit zählen der Bau des Fern­melde­hoch­­hauses in den frühen 50er Jah­ren, der Betrieb des größten Tele­kom-POS in der Frankfurter Stiftstraße und der Bau des größten Fernmel­de­turms in West­europa in den frühen 70er Jah­­ren. So ist die Mainmetropole Frank­­furt bis heu­te ein Zen­t­rum von Wirt­schaft, Verkehr und Kommunikation in Deutschland.

Ende der 90er Jahre wurde die bundesdeutsche Telefonie liberalisiert und die Deutsche Telekom AG bekam private Konkurrenz. Zu dieser Zeit, 1999, wur­de die ancotel GmbH als Frankfur­ter Telekommunikations-Dienstleis­tungs­­un­ter­nehmen gegründet. Und von 2002 an – der Markt verlangte es – bau­te man bei ancotel dann einen internationalen Telekommunkations- und Daten­netz­­kno­ten auf. Als Gateway zwischen West- und Osteuropa kommt ancotel und der Kleyerstraße 90 heute eine Schlüs­­sel­rolle zu.

 

Heute haben mehr als 330 internationale und nationale Car­rier und Provider im Colocation-Zent­rum in der Kleyer­straße eine physische oder eine virtuel­le Präsenz mit ihren Tele­­kommu­ni­ka­tions- und Datenleitungen – hier können sie sich miteinander verbinden und ihren Telekommunikations- und Daten­verkehr miteinander austauschen – die sogenannte Interconnection. Telehäu­ser und Datencenter gibt es eigentlich viele, dass aber gerade die Frankfurter Ad­­resse als „Kleyer 90“ weltweit zum Be­­griff ge­­wor­den ist, hat mit der zentralen Lage auf dem Kontinent zu tun – und mit dem Carrier-neutralen meetme-room-Konzept von ancotel: Ein In­­ter­net-Ser­­vice-Provider oder ein Tele­kom­­mu­ni­ka­tions­carrier, der sich in der Kleyer­straße 90 eine Präsenz schafft, macht sich da­­durch nicht von einem speziellen Car­rier abhängig: „Kleyer 90“ steht für völlig Carrier neutrale Interconnection. Die meet­­me room services garantieren den Kunden dabei ein Höchstmaß an Fle­­xi­bilität, Geschwindigkeit und Kos­ten­­ef­fi­zienz.




ancotel ist Pionier im Bereich der Virtualisierung der Telekommunikation.

Im Laufe der Jahre hat ancotel als Te­­le­haus und Colocation-Zentrum immer auf die Marktbedürfnisse reagiert und das Serviceportfolio kontinuierlich aus­­geweitet. Seit 2004 wird die Inter­con­nec­tion der Carrier sogar auf Basis einer virtuellen Plattform ermöglicht – der so­­­­­genannte virtual meetme room. Da­­durch werden Carrier bei ihrer Verbin­dung untereinander noch flexibler, ohne dass sie dafür den Aufwand und die In­­­­vestitionen in Kauf nehmen müssten, die ein eigener, physischer Point-of-Pre­­sence erfordert, mit entsprechenden In­­vesti­tio­nen in eigene Hard- und Soft­ware. Durch die Möglichkeit der Inter­con­nec­tion auf Grundlage der virtuellen Platt­form entsteht übrigens für nord­­ame­ri­kanische Unternehmen eine interessante Alternativ-Route nach Asien.

 

Nicht mehr über den Pazifik, sondern vom ancotel-Partner in den USA aus, von Telx in New York, entsteht die Route über die virtuelle Plattform in Frankfurt bis zur virtuellen Plattform in der ancotel-Nieder­lassung in Hong Kong.

Virtualisierung ist heute einer der ganz großen Trends in der Carrier-Bran­che und auch hier kommt Frank­furt wieder eine Führungsrolle zu: Die virtual meetme rooms gibt es schon seit 2004. Frank­furt war damals einer der Pioniere der Virtualisierung in der Tele­kommu­ni­kationsbranche, und inzwischen ist die virtuelle Interconnection-Platt­form ein Erfolgsmodell.




Ein wachsendes Thema: Internettelefonie.

Das neueste Feld, auf dem Virtuali­sie­rung zum wichtigen Trend wird, ist das Zusammenwachsen von klassischen Te­­lefonienetzen, die das sogenannte Time-­Division-Multiplexing nutzen, mit mo­­der­­nen Datennetzen, die auf dem Inter­­net-Protokoll basieren. Auch die Telefonie über das Internet wird mehr und mehr zum Thema, die Voice-over-IP-Technik. ancotel bietet darum mit sei­nem neuen VoIP2TDM Gateway eine weitere virtuelle Plattform für die Ver­bindung von Carriern. Das VoIP2TDM Gateway macht es möglich, dass die klassischen Te­­le­kom­munikationsnetze und die VoIP-Net­­ze in den nächsten Jah­ren stärker zu­­sammenwachsen und auch noch einige Zeit parallel existieren. Auch hier be­­steht der große Vorteil der Vir­­tu­alisierung wieder da­­rin, dass Carrier sehr viel Fle­­xibilität ge­­win­nen und nicht in eigene Hard­­ware und Soft­ware investieren müssen.

Seinen Standortvorteil wird Frankfurt auch in Zeiten zunehmender Vir­­tualisierung weiter be­­haupten. In der Main­me­tropole treffen sich die Kommuni­kations­net­ze. Auch dank der „Kleyer 90“ baut Frank­furt seine Spitzen­stel­lung als das Daten­dreh­kreuz in Konti­nen­taleuropa, als Gateway zwischen Ost und West, weiter aus. Die Zeiten, in denen Telefonver­bin­dungen zwischen zwei Teilnehmern noch von Hand gesteckt werden mussten, sind natürlich lange vorbei. Und doch könnte man sagen: Das europäische Fräulein vom Amt – es sitzt in Frankfurt.

 


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