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Michael Pehl

Der Autor studierte Molekularbiologie an der Lud­wig-Maximilians-Universität in Mün­­­chen. Danach war er von 1991 bis 2002 für die AMGEN GmbH in München sowie für AM­GEN International in der Schweiz in leitender Funktion tätig. 2006 wechselte Herr Pehl zu Celgene und baute die deutsche Niederlassung des Unternehmens in München auf. Seit 2009 ist er für die Celgene International – ebenfalls von Mün­­chen aus – als Regional Vice President für das operative Geschäft in Zentral­eu­ropa zuständig.

Mit dem Mut zum Risiko – Pharma, die verkannte Branche



Vom Labor bis zur Zulassung eines neuen Medikaments ist ein weiter Weg.

Kaum eine Branche vereint soviel un­­terschiedliches Expertenwissen wie die phar­­­mazeutische Industrie. Kaum eine Bran­che investiert soviel in For­­schung und Ent­­wicklung wie die pharmazeutische In­­dustrie. Bei kaum einer Branche ist das un­­ternehmerische Ri­­si­ko so hoch. Und: Kaum eine Branche muss so sehr um die öffentliche Wert­­schätzung ihrer Leis­tun­gen kämpfen.

 



Großes Risiko – kleine Aussicht auf Erfolg
Die Entwicklung von innovativen Me­­dika­menten ist riskant, zeitintensiv und teuer. Bevor eine neue Substanz die Marktzu­las­­sung erhält, vergehen im Durchschnitt zehn bis zwölf Jahre. Die Aussichten, dass sie von der Pha­se I der klinischen Ent­­wick­­lung bis zur viele Jahre späteren Zu­­las­­sung erfolgreich ist, betragen im Durch­­schnitt nur zirka zehn Prozent. Ist ein neu­­es Me­­di­­kament schließlich zugelassen, muss es die Kosten für seine eigene Entwicklung, die Kosten für die 90 Pro­­­­zent der fehlgeschlagenen Entwick­lun­­gen sowie die Kos­­ten für zukünf­ti­­­ge Medi­ka­mente erwirt­schaf­­ten. Wie bei einem Ge­­nera­tio­nen­ver­­trag: Die heutigen Umsätze sichern die In­­nova­tio­nen von morgen. Um ein Beispiel zu nennen: In der Onkologie sind nur drei von zehn Arzneimitteln nach ihrer Zu­­las­sung so erfolgreich, dass sie ihre eigenen, bis dahin angefallenen, Kosten für For­schung und Ent­­wicklung wieder einbringen.

Target-Identifizierung und Target-Validierung
Um einen neuen Wirkstoff gegen eine Krankheit zu finden, gilt es zuerst zu verstehen, welche Prozesse im menschlichen Körper gestört sind. Ist ein so genanntes Target identifiziert, also ein Molekül oder eine biochemische Struktur im Körper, dessen oder deren Manipu­lation dazu führen könnte, die Symp­to­me einer Krankheit zu lindern oder sie gar zu heilen, erfolgt dessen Validierung für die pharmakologische Anwendung. Erst wenn seine Molekularbiologie und Biochemie verstanden sind, kann man herausfinden, wie sich die Manipulation auf die Erkrankung auswirken könnte. Testansätze helfen den Forschern, die zu untersuchenden biochemischen Pro­­zesse in Zellen messbar und sichtbar zu machen. Sie werden speziell für das iden­tifizierte Target entwickelt und er­­mög­­lichen seine Untersuchung im Rea­genz­­glas, in vitro.

 




Prozentualer Anteil der Forschungsausgaben an den Gesamtinvestitionen bei 1.400 führenden Industrieunternehmen aus verschiedenen Branchen in 2006.

Lead-Identifizierung und Lead-Optimierung
Dann werden ganze Substanzklassen (Leads), die in Bibliotheken zur Ver­fü­­gung stehen, daraufhin getestet, ob und wie sie mit dem Target interagieren.
Die­jenigen Substanzklassen, die einen signifikanten Einfluss auf das Target zeigten, werden näher in vitro untersucht.

Präklinik und Klinik
In die präklinische Phase kommen nur sehr wenige Substanzen, die jetzt auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit im Tiermodell überprüft werden. Sind diese Tests positiv, werden die ausgewählten Substanzen im Rahmen von klinischen Studien danach am Menschen untersucht. Derartige Stu­dien müssen hohen gesetzlichen Stan­dards genügen, die in nationalen und inter­­na­tionalen Richtlinien und Gesetzen vorgegeben sind. Klinische Studien werden zusätzlich durch die Zu­­las­sungsbehör­den und unabhängige Ethik­­­­kommissionen geprüft.




Die Entwicklung neuer Medikamente ist riskant, teuer und kostet zudem viel Zeit.

Zulassung
Erst wenn die Ergebnisse der klinischen Studien Wirksamkeit und Unbedenk­lich­keit der neuen Substanz gezeigt haben, kann ein Zulassungsantrag gestellt werden. Nationale und internationale Behör­den entscheiden darüber, ob die gesammelten Daten überzeugend genug sind, um dem pharmazeutischen Unternehmen die Zulassung zu erteilen, die es berechtigt, den neuen Wirkstoff schließlich auch zu vermarkten.


Pharmazeutische Forschung und Ent­wick­lung betritt Neuland, jeden Tag. Da­­her ist sie teuer und risikointensiv. Aber: Ein Risiko birgt meist auch eine Chance. Die sinkende Krebsmortali­tät in den Ländern der ersten Welt beipielsweise beruht im wesentlichen auf innovativen Therapienstrategien, die pharmazeutische Unternehmen in Kooperation mit füh­­­renden wissenschaftlichen Einrich­tung­en ent­­wickelten und weiter entwickeln.


Celgene ist ein globales biopharmazeutisches Unternehmen, das 1986 in New Jer­­sey, USA, gegründet wurde. Celgene er­­forscht, entwickelt und vertreibt innovative Arzneimittel, hauptsächlich zur Be­­­­­­handlung von Krebserkrankungen und Krank­heiten des Immunsystems. In Deutsch­­­­­land ist Celgene seit 2006 durch die Celgene GmbH in München-Riem ver­treten.

 


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