Uwe Gerste

Der Autor, geboren 1965 in Duisburg, studierte nach einer Bankausbildung Wirtschaftswissenschaften an der Uni­versität-Gesamthochschule Duisburg mit dem Abschluß Diplom-Kaufmann. 1994-2005 war er selbstständig in der Touristik. Seit 2005 ist Uwe Gerste Ge­­schäftsführer der Duisburg Marketing GmbH.

1.000 Feuer im Landschaftspark Duisburg-Nord




Culture factor industry landmark: In 1989 began the rededication of the previously decommissioned by four years, Thyssen iron mill.
© Foto: poldy/PIXELIO

Vom Wandel eines ehemaligen Hüttenwerkes zu einer Erlebniswelt

der besonderen Art
„Duisburg war ein graues Industrie­quar­­tier. Per Strukturwandel wurde daraus der faszinierende Landschaftspark Nord“. So titelte bereits im Jahr 2002 das Hamburger Abendblatt und zitiert später den Landschaftspark als „Beweis, dass und wie eine in der Welt einmalige, einseitig ausgerichtete Industriere­gion sich attraktiv auf die Anforderun­gen einer neuen Ära einstellen kann.“

Der Artikel steht beispielhaft für den Tenor einer mittlerweile unzähligen Reihe von Berichten, Veröffentlichungen und Darstellungen in vielfältigen nationalen wie internationalen Medien: Dem Land­­schaftspark Duisburg-Nord wird eine Er­­folgsstory als Beispiel für gelungenen Strukturwandel bescheinigt.

 

Angefangen hat die Geschichte des Land­­schaftsparks im Jahre 1989, vier Jahre nach der Stilllegung des alten Thyssen-Hüttenwerkes. Engagierte Bürgerinnen und Bürger hatten sich vehement für den Erhalt der Anlage als Industrie­denk­­mal wegen seiner stadtbildprägenden Silhouette starkgemacht, obwohl klar war, dass der Betrieb eine Reihe proble­­matischer Altlasten hinterlassen hatte. Dem Abriss stand allerdings auch die Kostenfrage entgegen, da der Thyssen-Konzern als Eigentümer sich weder an der Demontage noch an den Kosten be­­teiligen wollte.

 




Ein glücklicher Umstand schließlich half, den Bestand des Hüttenwerkes zu si­­chern. Die nordrheinwestfälische Lan­desregierung suchte Ende der 1980er Jahre Ansätze für einen Strukturwandel im nördlichen Ruhrgebiet. 1988 wurde daraufhin die Internationale Bauaus­stellung Emscher Park (IBA) gegründet, in deren Rahmen das Meidericher Hüt­ten­­werk eines der industriekulturel­len Entwicklungs-Großprojekte wurde.

 

Nachdem 1989 ein internationaler Wett­­bewerb für Landschaftsarchitekten aus­­geschrieben worden war, gingen im Mai 1991 die konkreten Planungen und die Realisierung des künftigen Landschafts­parks Duisburg-Nord richtig los. Ohne Scheu vor einem unbekannten Wagnis unternahmen das Land Nordrhein-West­­falen, die Europäische Union und die Stadt Duisburg eine ungeheuer kreative, aber auch enorme finanzielle Kraftan­strengung. Projektträger war in den ersten Jahren die Landesentwick­lungs­gesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG) im Auftrag der Stadt Duisburg. 1997 wurde dann mit der Landschaftspark Duisburg-Nord GmbH eine stadteigene Gesellschaft gegründet, die fortan die Geschicke des Parks lenkte.

Seit dem Jahr 2003 ist diese GmbH ein Unternehmensbereich der Duisburg Marketing GmbH.




The landscape park is popular and lively. From product presentations, gala evenings and official receptions to rock concerts, hundreds of thousands are drawn year after year.

Mit rund 180 Hektar Fläche ist der Land­­schaftspark Duisburg-Nord einer der ganz großen Parkabschnitte des Emscher Landschaftsparks und be­­deutender Ankerpunkt der Route der In­­dustriekultur mit breiter Akzeptanz bei der Bevölkerung und hohem ima­ge­­­bildendem Wert für die Region und die Stadt Duisburg.

Riesig wie die Fläche sind auch die an ihn geknüpften Erwartungen, obwohl er bezugnehmend auf seinen Namen we­­der Park noch Landschaft zu bie­­ten hat. Aber mit vertrauten Be­­griffen kommt man ohnehin nicht weit, wer sich im Land­schafts­park auf einen Rund­weg begibt.

Mit zwei Stunden Zeit ist lediglich der Kern­bereich zu schaffen. Ganz zu schwei­­gen von den nicht vorhersehbaren At­­trak­tionen, die dem Besucher unterwegs be­­gegnen und die Zeitvorgabe sprengen können: posierende Models vor mor­­bi­der Industriekulisse, Filmemacher am originellen Drehort oder Taucher auf dem Weg zum Tauchgang im wassergefüllten alten Gasometer.




Illuminated conveyor bridge.
© Foto: poldy/PIXELIO

Was der Besucher sonst noch hier findet, ist alles und nichts von dem, was er mit Landschaft oder Park verbindet. Dabei gibt es Natur in einer Qualität, die Botaniker entzückt sein lässt, und in einer Quantität, die Fachleute verblüfft.

Wer im Landschaftspark Duisburg-Nord allerdings beschauliche Weite und kontemplative Stille sucht, wird umdenken müssen. Nicht sanfte Hügel tun sich auf, sondern steile Erzbunkerwände, die im­­merhin insoweit alpine Werte haben, als sich dort Freizeitkletterer aus nah und fern tummeln.

Emsiges Leben erfüllt den Park mit sei­­nen außergewöhnlichen und einzigartigen Spielstätten durch das spektralreiche Veranstaltungsgeschehen. Die Spann­­wei­­te reicht von Produktpräsentationen bis zum Gala-Abend, vom Staatsempfang bis zum Rockkonzert und bringt jedes Jahr hunderttausende von Besuchern und Gästen aus aller Welt in die Stadt Duisburg.

 

Namhafte Firmen gesellen sich reihenweise in das illustre Gästebuch des Land­­schaftsparks ein. Um nur wenige zu nen­­nen, führten die Deutsche Bank, T-Sys­tems, Microsoft, Tchibo, RWE, Sie­­mens, BMW, Dresdner Bank, Dow Chemi­­cal und viele andere mehr ihre Firmen-Events im Landschaftspark durch.

 

Auch die Kulturveranstaltungen feiern Jahr für Jahr, zum Beispiel im Rahmen der Ruhrtriennale, des Klavierfestivals Ruhr, des Traumzeitfestivals ebenso wie des mehrwöchigen Freiluftkinos, Pu­­bli­kums­­­rekorde.




Factory chimney.
© Foto: o. holzmann/PIXELIO

Übernachtungs­möglich­kei­­ten in einem Ju­­gend­­­­ho­­­tel geho­be­­nen Stan­­­­dards sind ebenso vor­han­­­den wie ein Fahr­­rad­­­ver­leih oder the­­­men­viel­fäl­ti­ge An­­ge­bo­­te für Grup­pen.

Kinder und Jugendliche be­­grei­fen den Park als gigantischen Aben­­teuer­spiel­platz. Es gibt eine Rie­­sen­röhrenrutsche durch zwei Erzbun­ker, eine offene Hal­le für Trend­sport­arten wie Skaten oder Beach­volleyball, viele Spielpunkte und sogar einen Lehr- und Lernbauernhof.

Insgesamt fünf konzeptionelle Bau­stei­­ne kennzeichnen die Mutation des Land­schafts­parks Duisburg-Nord zum Park der 1.000 Feuer heute: neue Natur, In­­dustriemuseum, Tourismus, Aben­teu­­er­spielplatz, Kulturforum.

All dies sind Aktivitäten, die nicht eben ruheverheißend klingen. Die Bilder der stillgelegten und in der Nacht illumi­­nier­­ten Hochöfen, die die Anlage in ein fas­­zinierendes Meer von Licht und Far­­be tauchen, sind um die ganze Welt ge­­gangen. Nachrichten über den Wan­del im Revier wurden fast immer mit Fotos aus dem Landschaftspark il­­lustriert.

Und das Beste zum Schluss: Der Land­­schaftspark Duisburg-Nord ist jederzeit bei freiem Eintritt begehbar.

 

 


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