Burkhard Ischler

Der 1962 in Bochum geborene Autor ist seit dem Jahr 2008 Vorsitzender des Vorstands des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg e.V. (VME). Der ge­­lernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt hat unter anderem leitend für die Deutsche Bank gewirkt und ist seit 2008 Leiter des Büros der Siemens AG in Berlin.

Science-to-Business! Drei Thesen für modernen Knowhow-Transfer



Biochemie-Labor der Freien Universität Berlin.
© David Ausserhofer


Die Hauptstadtregion verfügt über eine viel­­schichtige Wissenschafts- und For­schungsland­schaft. Laut aktuellem BMBF-­­Forschungsbericht hat Berlin-Branden­burg die höchste Forschungs­dichte bun­­desweit. Unsere Hochschulen können gro­­ße Erfolge in der Exzellenz­initiative des Bundes nach­­weisen und sich im För­­der­­ranking der Deutschen Forschungs­­­ge­mein­­schaft (DFG) mit allen anderen Hoch­schu­len in Deutsch­­­land messen. Die Hoch­schulen gehören auch zur bundesweiten Spitze, wenn es darum geht, die Potenziale der Wis­sen­schaft für wirtschaftlich verwert­bare Pro­dukte und Dienstleistungen zu nut­­zen.

 

Ich mache das fest an einem un­­be­stech­­lichen Indikator: den Dritt­mitteln aus der Wirtschaft. Im Jahr 2007 flossen beacht­­liche 101 Millionen Euro aus der Wirt­schaft an die regionalen Hoch­schulen. Damit ist Berlin-Brandenburg be­­­­reits unter den Top 5 im Bundes­ver­­gleich. Gleichwohl ist damit noch „Luft nach oben“. Benchmark sind die nordrhein-westfälischen Hochschulen mit 304 Mil­li­onen Euro.

 

Einst stand Berlin an der Spitze der Be­­we­­gung: Eine der ersten Technologie­trans­­fer­­stellen und das erste Technolo­gie­zen­­trum überhaupt sind hier entstanden. Der Bu­­sinessplan-Wett­bewerb zur För­derung von Unternehmens­gründungen aus den Hochschulen – mittlerweile der größte sei­­ner Art und bundesweit ko­­piert – wurde hier entwickelt. Heute aber ist unsere Re­­gion im harten Wettbewerb um die In­­novations­führerschaft in diesem Bereich.

 






An drei Thesen möchte ich deshalb den Weg zu einem modernen Techno­logie- und Wissenstransfer in der Hauptstadt­region skizzieren. Und dabei gilt ausdrück­lich: Diesen Weg müssen Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam gehen.

 

These 1 Wachstum durch Innovation: Ziel der Zusammenarbeit zwischen Wirt­­schaft und Wissenschaft ist die Sich­­erung der indus­triellen Wett­bewerbs­fähigkeit.

 

Zentrales Ziel des VME sind die Sich­e­­rung und der Ausbau der industriellen Wett­bewerbsfähig­keit in der Haupt­stadt­­­re­gion. Diese Fähigkeit, erfolgreich im Wet­t­­­­­­­­­be­werb zu bestehen, war schon in wirt­­schaft­lichen „Schön­wetterper­io­­den“ wich­­tig, existenziell aber wird sie in Krisen­zei­ten. Wer mit seinen Produkten und Dienstleistungen auch auf schrump­­fen­den Märkten besteht, ist wett­be­werbs­­fähig. Wettbewerbsfähigkeit paart sich hier mit Innovations­fähigkeit. Die unter­­neh­­merische Kunst besteht darin, neue Produkte und Pro­zesse zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten. Und beim Thema Innovation kommt die Wis­­sen­schaft ins Spiel. Denn es mangelt nicht an Aufgaben: Mo­­bilität und Energie, Klima­schutz und Nach­­haltigkeit, Alterung und Gesund­heit sind Mega­trends, auf die nur eine inno­­vative Industrie – in enger Kooperation mit der Wissenschaft – Antworten geben kann.

 

Für uns sollte also das gemeinsame Ober­­ziel „Wachstum durch Innovation“ gelten. Die Ausgestaltung des Technologie- und Wissenstransfers bildet sich aufgrund sei­­ner Vielfältigkeit in einer Reihe von Unter- und Teilzielen ab. Deren Definition muss sich aber stets daran orientieren, die Innova­tionsbereitschaft der Unterneh­men, insbesondere auch der KMU, zu stärken, die Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft auf Wirtschafts- und Wissen­schafts­­seite zu verbessern und letztendlich so die Zahl von Produkt- und Prozessinno­va­tio­­nen im Industriebereich zu erhöhen.

 



These 2 Markt für Innovationen: Mo­­der­­­­ner Technologie- und Wissenstrans­fer ist nachfrageorientiert.

 

Die Schweizer Stiftung Avenir Suisse hat einen aufsehenerregenden Beitrag zur Neuausrichtung der Schweizer Innova­tionspolitik verfasst und dabei das Modell eines Innovationsmarktes entwickelt. Das Modell berücksichtigt, dass sich Wissen­­schafts- und Wirtschaftssystem grundsätzlich unterscheiden: unter anderem in ihrer Funk­­tionsweise, der Motivation der Akteure und den Erfolgsindika­tor­en. Um diese Unterschiede zu überbrücken, setzt Avenir Suisse auf einen Innova­tions­­­markt. Dieser wird getragen von einem „demand pull“, der Nach­frage nach Inno­­vationen auf Kundenseite. Die Unter­neh­­men beziehen hier die Hochschulen in die Entwicklung der Problemlösung ein. Der „technology push“ von an Hochschulen bereits entwickelten Produkten oder Tech­­nologien ergänzt lediglich die nachfrageorientierte Vorgehensweise. Die Poli­­­tik ist in diesem Modell nicht der Steuerer der Innovationsprozesse, sondern Ge­­stal­­ter der Rahmenbedingungen. Dieses Mo­­dell entspricht aus meiner Sicht am bes­­ten den Anforderungen in der Reali­­tät. Jetzt müssen wir es zur Grundlage unserer Innovations­politik machen.

 




Wissenschaft und Wirtschaft – Kräfte, die in Berlin kooperativ wirken.


These 3 Allianz für Innovation: Die Op­­­ti­­mierung des Wissens- und Techno­­lo­­gie­transfers ist ein gemeinsamer Pro­­zess von Wirtschaft und Wissen­schaft.

 

Wissens- und Technologietransfer ist keine Hol- oder Bringschuld der einen oder der anderen Seite. In seiner Vielfalt ist er vielmehr das strategische Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Des­­halb bedarf es auch gemeinsamer An­strengungen, um den Prozess zu ge­­stalten. Es bedarf einer Allianz für Inno­­vation, die sich im Kern auf das Ziel­system, die Handlungs­felder und das Monitoring des Wissens- und Techno­lo­­gie­­transfers verständigt und in deren Rah­­men die Kommunikation und Zusam­­men­­arbeit zwischen den beteiligten Grup­­pen optimiert wird. Zu den wesentlichen opera­­tiven Elementen gehören eine bes­­sere Ver­­mittlung der Unternehmens­nach­­frage, eine erhöhte Sichtbarkeit des Wis­­sen­­schafts­­potenzials sowie der Ausbau und die Gestal­tung von belastbaren Kon­­tak­­ten zwischen Unternehmen und Hoch­­­sch­­ulen – von der Semesterarbeit bis hin zu stra­­tegischen Forschungs­partner­schaf­­ten.

 

Zusammenfassung. Das zentrale Ziel „Wachstum durch Inno­­va­­tion“, das Modell des „Innovations­mar­­k­­­tes“ und eine gemeinsame „Allianz für In­­no­va­­tion“ sind die Leitplanken einer zu­­­­­­­­­­­­­­kunfts­­­­sicheren Innovationspolitik, für die der VME steht und für die er – im In­­ter­­esse der Unternehmen der Metall- und Elektro­in­­dustrie in der Hauptstadt­re­gion – arbeitet.

 

 

 


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Unternehmensbeiträge:

International vernetzt und regional verankert
Ihre Gesundheit in besten Händen
Bauen im Einklang von formaler Gestalt und nutzungsspezifischen Anforderungen
Geophysikalische Forschung zur Daseinsvorsorge und zum Umweltschutz
Die Studierenden im Mittelpunkt – Hochschule mitten in der Gesellschaft

Autorenbeiträge:

ETH-Spin-offs – Nachhaltige Wirkung auf die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft
IFM-GEOMAR – Den Ozean verstehen heißt die Zukunft gestalten
Netz von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft fördert neue Technologien
Leipziger Forschung erlangt Weltgeltung
Zukunftsfähige Hightech-Cluster – erfolgreicher Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft