Science-to-Business! Drei Thesen für modernen Knowhow-Transfer
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Biochemie-Labor der Freien Universität Berlin. © David Ausserhofer |
Die Hauptstadtregion verfügt über eine vielschichtige Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Laut aktuellem BMBF-Forschungsbericht hat Berlin-Brandenburg die höchste Forschungsdichte bundesweit. Unsere Hochschulen können große Erfolge in der Exzellenzinitiative des Bundes nachweisen und sich im Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit allen anderen Hochschulen in Deutschland messen. Die Hochschulen gehören auch zur bundesweiten Spitze, wenn es darum geht, die Potenziale der Wissenschaft für wirtschaftlich verwertbare Produkte und Dienstleistungen zu nutzen.
Ich mache das fest an einem unbestechlichen Indikator: den Drittmitteln aus der Wirtschaft. Im Jahr 2007 flossen beachtliche 101 Millionen Euro aus der Wirtschaft an die regionalen Hochschulen. Damit ist Berlin-Brandenburg bereits unter den Top 5 im Bundesvergleich. Gleichwohl ist damit noch „Luft nach oben“. Benchmark sind die nordrhein-westfälischen Hochschulen mit 304 Millionen Euro.
Einst stand Berlin an der Spitze der Bewegung: Eine der ersten Technologietransferstellen und das erste Technologiezentrum überhaupt sind hier entstanden. Der Businessplan-Wettbewerb zur Förderung von Unternehmensgründungen aus den Hochschulen – mittlerweile der größte seiner Art und bundesweit kopiert – wurde hier entwickelt. Heute aber ist unsere Region im harten Wettbewerb um die Innovationsführerschaft in diesem Bereich.
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An drei Thesen möchte ich deshalb den Weg zu einem modernen Technologie- und Wissenstransfer in der Hauptstadtregion skizzieren. Und dabei gilt ausdrücklich: Diesen Weg müssen Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam gehen.
These 1 Wachstum durch Innovation: Ziel der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist die Sicherung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.
Zentrales Ziel des VME sind die Sicherung und der Ausbau der industriellen Wettbewerbsfähigkeit in der Hauptstadtregion. Diese Fähigkeit, erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen, war schon in wirtschaftlichen „Schönwetterperioden“ wichtig, existenziell aber wird sie in Krisenzeiten. Wer mit seinen Produkten und Dienstleistungen auch auf schrumpfenden Märkten besteht, ist wettbewerbsfähig. Wettbewerbsfähigkeit paart sich hier mit Innovationsfähigkeit. Die unternehmerische Kunst besteht darin, neue Produkte und Prozesse zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten. Und beim Thema Innovation kommt die Wissenschaft ins Spiel. Denn es mangelt nicht an Aufgaben: Mobilität und Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit, Alterung und Gesundheit sind Megatrends, auf die nur eine innovative Industrie – in enger Kooperation mit der Wissenschaft – Antworten geben kann.
Für uns sollte also das gemeinsame Oberziel „Wachstum durch Innovation“ gelten. Die Ausgestaltung des Technologie- und Wissenstransfers bildet sich aufgrund seiner Vielfältigkeit in einer Reihe von Unter- und Teilzielen ab. Deren Definition muss sich aber stets daran orientieren, die Innovationsbereitschaft der Unternehmen, insbesondere auch der KMU, zu stärken, die Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft auf Wirtschafts- und Wissenschaftsseite zu verbessern und letztendlich so die Zahl von Produkt- und Prozessinnovationen im Industriebereich zu erhöhen.
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These 2 Markt für Innovationen: Moderner Technologie- und Wissenstransfer ist nachfrageorientiert.
Die Schweizer Stiftung Avenir Suisse hat einen aufsehenerregenden Beitrag zur Neuausrichtung der Schweizer Innovationspolitik verfasst und dabei das Modell eines Innovationsmarktes entwickelt. Das Modell berücksichtigt, dass sich Wissenschafts- und Wirtschaftssystem grundsätzlich unterscheiden: unter anderem in ihrer Funktionsweise, der Motivation der Akteure und den Erfolgsindikatoren. Um diese Unterschiede zu überbrücken, setzt Avenir Suisse auf einen Innovationsmarkt. Dieser wird getragen von einem „demand pull“, der Nachfrage nach Innovationen auf Kundenseite. Die Unternehmen beziehen hier die Hochschulen in die Entwicklung der Problemlösung ein. Der „technology push“ von an Hochschulen bereits entwickelten Produkten oder Technologien ergänzt lediglich die nachfrageorientierte Vorgehensweise. Die Politik ist in diesem Modell nicht der Steuerer der Innovationsprozesse, sondern Gestalter der Rahmenbedingungen. Dieses Modell entspricht aus meiner Sicht am besten den Anforderungen in der Realität. Jetzt müssen wir es zur Grundlage unserer Innovationspolitik machen.
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Wissenschaft und Wirtschaft – Kräfte, die in Berlin kooperativ wirken. |
These 3 Allianz für Innovation: Die Optimierung des Wissens- und Technologietransfers ist ein gemeinsamer Prozess von Wirtschaft und Wissenschaft.
Wissens- und Technologietransfer ist keine Hol- oder Bringschuld der einen oder der anderen Seite. In seiner Vielfalt ist er vielmehr das strategische Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Deshalb bedarf es auch gemeinsamer Anstrengungen, um den Prozess zu gestalten. Es bedarf einer Allianz für Innovation, die sich im Kern auf das Zielsystem, die Handlungsfelder und das Monitoring des Wissens- und Technologietransfers verständigt und in deren Rahmen die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Gruppen optimiert wird. Zu den wesentlichen operativen Elementen gehören eine bessere Vermittlung der Unternehmensnachfrage, eine erhöhte Sichtbarkeit des Wissenschaftspotenzials sowie der Ausbau und die Gestaltung von belastbaren Kontakten zwischen Unternehmen und Hochschulen – von der Semesterarbeit bis hin zu strategischen Forschungspartnerschaften.
Zusammenfassung. Das zentrale Ziel „Wachstum durch Innovation“, das Modell des „Innovationsmarktes“ und eine gemeinsame „Allianz für Innovation“ sind die Leitplanken einer zukunftssicheren Innovationspolitik, für die der VME steht und für die er – im Interesse der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in der Hauptstadtregion – arbeitet.



















